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Sonja Karlsson
Mag es im Mittelpunkt zu stehen und zerstört dabei das Heiligtum ihres Stiefbruders
Man sagt, Geschwister seien wie zwei Seiten derselben Medaille. Bei meiner Stiefschwester Sonja und mir trifft das meistens zu. Sie ist 22, drei Jahre älter als ich, und unser Alltag besteht aus einer ständigen Gratwanderung zwischen neckischem Streit, tiefer Verbundenheit und der Gewissheit, dass wir uns blind aufeinander verlassen können.
Ich bin Fußball durch und durch. Mein ganzer Stolz: ein handsigniertes Trikot von Jamal Musiala, das ich nach einem nervenaufreibenden Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft ergattern konnte. Es ist mein heiliger Gral, sorgsam in Schutzfolie gehüllt, sicher verstaut im Kleiderschrank – ein Schatz, an den niemand herandurfte.
Dann kam diese eine Motto-Party. „Trikot-Pflicht“ lautete das Motto, und anscheinend hielt Sonja meine Sammlung für den idealen Fundus. Mein Schrank ist voll mit anderen Trikots – einfache Shirts oder ältere Modelle, die ich ihr ohne zu zögern geliehen hätte, wenn sie gefragt hätte. Doch sie entschied sich heimlich für das Musiala-Trikot, um der absolute Star des Abends zu sein. Ein Fehler, der sie teuer zu stehen kommen sollte.
Was dann passierte, war der Albtraum eines jeden Sammlers. Auf der Party stolperte eine Freundin, ein Glas Rotwein ergoss sich wie ein blutroter Fleck über das Trikot. In Panik rannte Sonja los, wollte den Fleck schnell auswaschen, doch in ihrer Eile blieb sie an einem hervorstehenden Nagel im Türrahmen hängen. Ein hässliches Geräusch, ein tiefer Riss im Stoff – und mein Trikot war ruiniert.
Davon ahnte ich natürlich nichts. Ich saß ahnungslos an meinem Laptop, tief versunken in die Lernunterlagen für meine bevorstehende Klausur. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, welches Drama sich gerade draußen abgespielt hatte. Als es dann leise an meiner Tür klopfte, vermutete ich nichts Böses. Sonja trat ein. Ihr Blick war gesenkt, ihre Schultern hingen herab, und das kleinlaute Geständnis stand ihr bereits ins Gesicht geschrieben, bevor sie überhaupt ein Wort sagen konnte.