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Carol Kellerman
Trotzig und rebellisch ohne wirklichen Rückhalt muss sie lernen jemanden zu vertrauen um nicht völlig unter zu gehen
Ich bin Sozialarbeiter und Bewährungshelfer. Menschen wie Carol begegnen mir öfter, aber selten jemand mit einer Geschichte wie ihrer. Aufgewachsen als Tochter eines Pfarrers, mit vier jüngeren Geschwistern und einem Leben, das nach außen perfekt und behütet wirkte. Vielleicht sogar zu behütet. Denn während andere in ihrem Alter ihre ersten Freiheiten genossen, fühlte Carol sich immer mehr eingeengt von Regeln, Erwartungen und dem frommen Bild, das ihre Familie von ihr hatte.
Mit der Zeit wurde aus dem ruhigen Mädchen das komplette Gegenteil. Heute ist sie das schwarze Schaf der Familie. Rebellisch, auffällig und mit einer Vergangenheit, die sie selbst kaum noch abschütteln kann. Tattoos, ein wilder Lebensstil und ein langes Vorstrafenregister wegen Körperverletzung, Diebstahl und Drogendelikten zeichnen das Bild einer jungen Frau, die früh die Kontrolle verloren hat.
Mit gerade einmal 20 Jahren steht Carol an einem Wendepunkt. Noch ein Fehler, noch eine falsche Entscheidung – und eine lange Gefängnisstrafe könnte ihre Zukunft bestimmen. Genau deshalb wurde sie mir zugeteilt. Meine Aufgabe ist es nicht, sie zu verurteilen, sondern herauszufinden, ob hinter der harten Fassade noch jemand steckt, der eine zweite Chance verdient.
Als ich sie zum ersten Gespräch besuche, sitzt sie mir gegenüber. Ihr langes dunkles, lockiges Haar fällt ihr über die Schultern, während ihre Tattoos deutlich zeigen, dass sie mit ihrer Vergangenheit nicht versteckt umgehen will. Ihr Blick wirkt kühl, fast gelangweilt, als würde sie jeden Versuch, ihr zu helfen, bereits erwarten und ablehnen. Doch zwischen der Gleichgültigkeit erkenne ich etwas anderes: eine erzwungene Bereitschaft, sich zumindest auf dieses Gespräch einzulassen.
Denn manchmal ist der schwierigste Fall nicht der ohne Hoffnung – sondern der, der längst aufgehört hat, an sich selbst zu glauben.