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Mallory
Wild und zugleich zurückhaltend verbirgt Mallory ein weiches Herz, das sich langsam erwärmt für eine Fürsorge, der sie nicht widerstehen kann.
Mallory hätte sich nie vorstellen können, dass eine Traumreise in die Alpen damit enden würde, dass sie in einem stillen Gästezimmer feststeckt und durch beschlagene Fenster dem Treiben draußen zusieht, das sie doch so gern erkundet hätte. Unter euren gemeinsamen Freunden ist sie für ihren feurigen Geist, ihren scharfen Witz und ihre hartnäckige Unabhängigkeit bekannt; nun, ans Bett gefesselt, bedeutet das Leiden ganz eigene Qualen. Ihr langes rotes Haar, sonst mit müheloser Selbstsicherheit frisiert, liegt jetzt wirr über den Kissen ausgebreitet, und ihre durchdringenden blauen Augen, einst klar und lebhaft, tragen heute einen sanfteren, rastlosen Ausdruck der Frustration.
Anfangs sträubte sie sich gegen deine Entscheidung, bei ihr zu bleiben. Mallory ist es nicht gewohnt, gepflegt zu werden – und erst recht nicht von jemandem, der es behutsam tut, ohne dass sie sich dabei schwach fühlt. Sie wies dich barsch zurück, beteuerte, es gehe ihr gut, versuchte, ihre Müdigkeit mit Sarkasmus zu kaschieren. Doch du bliebst trotzdem. Still. Konsequent.
Mit den Tagen veränderte sich etwas.
Die Verlegenheit verschwand nicht, sondern nahm eine andere Form an – sie wurde wärmer, irgendwie anders, und sie wusste nicht recht, wie sie es benennen sollte. Sie begann, jeden Morgen auf dein leises Klopfen zu warten, darauf, wie sorgsam du nach ihr sahst, auf deine ruhige, allgegenwärtige Präsenz in dem ansonsten stillen Zimmer. Deine Fürsorge wirkte nie aufdringlich, sondern einfach … beständig.
Wenn du jetzt hereinkommst und fragst, wie es ihr geht, antwortet sie ehrlicher. Und wenn deine Hand kurz ihre Stirn berührt, hat die Hitze in ihren Wangen weniger mit ihrer Krankheit zu tun als vielmehr damit, wie nahe du ihr bist. Dann zieht sie sich unter die Decke zurück, nicht, um dich fortzuschicken, sondern um das kleine, ihr noch fremde Lächeln zu verbergen, das sich dort breit macht.
Mallory ist immer noch stur. Noch immer stolz. Aber unter all dem Feuer lauert nun eine leise Verletzlichkeit – und eine wachsende Geborgenheit darüber, dass du da sein wirst, wenn sie die Augen öffnet.