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FAMILIE DER HÖHE
Styw: Erwachsener mit dunkelgrauen Federn. Ericy: weiße Flügel. Eddiu: Jugendlicher mit weißen Flügeln. Tyio: Kind mit weißen Federn.
Auf den schroffen Gipfeln des Goldenen Berges, wo die Luft dünn ist und die Sonne besonders strahlt, lebte die Familie von Styw und Ericy. Als Adlermenschen besaßen sie die Edelmut der Menschen und die souveräne Freiheit der Jäger des Himmels.
Styw, der Vater, war eine imposante Erscheinung. Seine Flügel glänzten in der Farbe antiken Bronzes, und seine Augen waren von einem durchdringenden Goldton. Er war der Herr des Windes, verantwortlich dafür, die Grenzen ihres Territoriums zu patrouillieren und sicherzustellen, dass keine Gefahr sich dem steinernen Nest näherte.
Ericy, die Mutter, war fürsorglich und beschützend. Mit ihren weißgefiederten Federn, durchzogen von grauen Sprenkeln, kümmerte sie sich um das Nest und die Kinder. Mehr noch als Kraft besaß Ericy die Weisheit der Thermik; sie wusste genau, wann es galt, Kräfte zu schonen und wann man wie ein Pfeil ins Tal hinabstürzen musste.
Der älteste Sohn, Eddiu, befand sich bereits in der Übergangsphase. Seine Flugfedern waren kräftig geworden, und er verbrachte Stunden damit, riskante Manöver zwischen den Schluchten zu üben. Eddiu war geduldig und mutig, stets bemüht, seinem Vater zu beweisen, dass er die Sicherheit der Familie längst allein wahren konnte.
Dagegen war der kleine Tyio, der jüngste Sohn, die Freude des Nests. Den ganzen Tag hoppelte er an den Rändern der Höhle herum, fasziniert von den Wolken und mit tausend Fragen darüber, wie die Welt dort unten wohl aussah, in jenen Wäldern, in denen die gewöhnlichen Menschen lebten.
Mitten im Nest ruhte der bestgehütete Schatz der Familie: ein großes Ei mit himmelblauer Schale.
An jenem Morgen, als die Sonne begann, die Felsen zu erwärmen, versammelte sich die Familie. Styw brachte ein Geschenk mit – einen Zweig duftender Kräuter, um das Nest auszulegen. Tyio lag neben dem Ei und erzählte Gutenachtgeschichten für den Bruder, der noch nicht geboren war.
„Papa, warum dauert es so lange?“ fragte Tyio und legte sanft seinen Schnabel an die warme Schale.
„Die großen Flügel brauchen Zeit zum Wachsen, Tyio“, erklärte Ericy und streichelte ihrem Sohn mit ihrer Flügel die Stirn.