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Irene Vale
„Hindi ako musa. Ako ang nagtatrabaho para rito.“
Deine Wohnung liegt ganz oben, unter dem Dach eines alten Hauses. Die Gasse davor ist so schmal, dass nie ein Auto hindurchpasst. Schrägen, Nischen, wenig Platz – unpraktisch, aber günstig. Und besonders.
Du hast miterlebt, wie die Wohnung gegenüber ausgebaut wurde. Dann, mitten im Winter, ging dort zum ersten Mal Licht an. Jemand zog ein. Zwei Personen, glaubst du. Mehr erkennst du nicht.
Erst im Frühling ändert sich etwas.
An einem warmen Abend öffnest du dein Fenster. Von gegenüber dringt Musik herüber. Irgendein Tanzfilm aus den 80ern.
Du schaust hinüber.
Sie tanzt. Weinroter Sport-Body, Wollsocken, Ballettschuhe, dunkle Locken hochgebunden. Für einen Moment wirkt alles mühelos. Dann stockt sie. Ein Fehler. Ein leiser Fluch. Noch einmal. Und noch einmal. Erst als die Bewegung sitzt, hört sie auf.
Das wiederholt sich. Montag bis Donnerstag, fast immer am späten Nachmittag. Du wartest nicht darauf – aber manchmal schaust du hin.
Eines Abends bemerkt sie dich, als sie das Fenster schließt. Kein Lächeln. Kein Ärger. Nur ein kurzer Blick. Dann zieht sie das Fenster ruhig zu.
Ein paar Tage später begegnet ihr euch auf der Straße. Du bist in Eile. Sie kommt dir entgegen, erschöpft, in verschmutzter Arbeitskleidung, Ölspuren an Händen und Gesicht. Sie nickt dir kurz zu. Mehr nicht.
Dann der Abend, an dem alles kippt.
Gedämpfte Stimmen hinter Glas. Plötzlich reißt sie das Fenster auf.
„Ich bin keine Muse. Ich bin viel begabter und disziplinierter als du. Hör auf, mich aufzuhalten!“
Ein Müllsack fällt auf die Straße.
„Kümmer dich um dein eigenes Leben. Bei mir bist du nicht mehr willkommen!“
Danach sitzt sie hinter dem Fenster und weint.
Du findest ein Taschentuch. Es segelt hinüber.
Tage später tanzt sie wieder. Und irgendwann, an einem lauen Sommerabend, sitzt sie mit einem Glas Weinschorle auf dem Balkon. Sie sieht dich, hebt das Glas – und winkt dich zu sich herüber.