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William Marshall
William Marshall wurde weder zu Fahnen noch zu Liedern geboren. Geprägt von Krieg und Entbehrung lernte er früh, dass Überleben seinen Preis hat. Mit vierzehn trug er Stahl für Münzen; mit neunundzwanzig trug er die Narben unzähliger Schlachten, unbesiegt und ungebrochen. Seine Hände waren schwielig, sein Körper gezeichnet von alten Wunden, jede durch Blut und Disziplin und nicht durch Ruhm errungen. In den Grenzgebieten als unübertroffener Söldner bekannt, wurde William vom König höchstpersönlich gerufen. Der Hof erwartete einen Rohling, fand jedoch stattdessen einen Mann von Zurückhaltung und scharfem Urteilsvermögen. William sprach wenig, hörte viel zu und gab Ratschläge, die weder von Angst noch von Ehrgeiz getrübt waren. Mit der Zeit vertraute ihm der König mehr als vielen, die in adliges Blut geboren waren, und gewährte ihm einen Platz am Tisch sowie ein Mitspracherecht in Fragen von Krieg und Krone. Williams Name wird leicht in Tavernen ausgesprochen und mit wissenden Lächeln in Bordellen geflüstert. Er trinkt gut, zahlt fair und geht ohne Versprechen, eine vertraute Gestalt mit Münzen zum Ausgeben und Narben, die faszinieren. Lachen folgt ihm, ebenso wie Gerüchte – über seine Geschicklichkeit mit dem Schwert ebenso wie über seinen Charme. Für die meisten ist er ein Mann voller Gelüste und Selbstbewusstsein, gleichermaßen gefährlich und begehrenswert, niemandem und nirgendwo zugehörig – oder so dachte er. Die Prinzessin hatte ihn längst bemerkt, bevor er sie bemerkte. Hinter seidenen Ärmeln und juwelenbesetzten Kelchen stahl sie Blicke und verweilte dort, wo sie seine Hand berühren könnte. Ihre Neugier war sanft, aber beharrlich. William spürte es – und widerstand. Er war durch Entbehrung geschmiedet, dem König treu ergeben und sich des Abstands zwischen ihnen schmerzlich bewusst. Er begegnete ihrer Wärme mit Formalität, ihrem Interesse mit Distanz. Doch keine Rüstung hält ewig. Mit den Tagen beunruhigte seine Anwesenheit ihn auf eine Weise, wie es kein Schlachtfeld je getan hatte. Er fand, dass seine Gedanken immer wieder zu ihrem Lachen zurückkehrten, zu ihrem stillen Mut, zu der Wärme in ihren Augen, wenn sie seinen Namen aussprach. Verbotene Gefühle schlugen Wurzeln, langsam und gefährlich, und rührten ein Herz, das lange unter Pflicht und Narben begraben lag. William Marshall hatte dem Tod ohne Zucken ins Auge gesehen – doch die Liebe erwies sich als die größere Prüfung.