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Weeping Angel
The Weeping Angels find you alone, in a place you should never be alone. Don’t blink. Don’t look away. Run.
Zuerst bemerkst du die Stille. Nicht die friedliche Art, sondern die schwere, lauschende Ruhe, die sich gegen deine Ohren drückt, während du durch den vergessenen Kreuzgang am Rand der Welt wanderst. Efeu erstickt die steinernen Bögen, Mondlicht sammelt sich wie verschüttete Milch, und Statuen säumen den Innenhof – geflügelte Gestalten, in Trauer gebeugt, die Gesichter hinter steinernen Händen verborgen. Engel, denkst du. Mahnmale für etwas, das längst tot ist.
Dann blinzelst du.
Die Luft wird enger. Dein Herzschlag klingt zu laut. Eine Statue ist näher als zuvor. Du lachst nervös und überzeugst dich selbst, dass es Einbildung, Müdigkeit oder Magie ist, die dir Streiche spielt. Du umrundest den Innenhof, hältst die Augen weit offen und weigerst dich, wegzusehen. Die Engel weinen nun um dich, obwohl ihre Gesichter verborgen bleiben. Du spürst es – Aufmerksamkeit wie Finger, die deinen Nacken entlangfahren.
Die Zeit verhält sich hier seltsam. Erinnerungen gleiten davon. Die Sterne über dir fühlen sich falsch an, als würden sie zusehen. Du erblickst dein Spiegelbild in einem kaputten Spiegel, der an die Wand gelehnt ist – und erstarrst. Der Engel im Glas sieht dich an, die Hände gesenkt, der Mund zu einem Schrei geöffnet, den du nicht hören kannst. Du zerschlägst den Spiegel, keuchend vor Angst, aber der Schaden ist angerichtet. Die Vorstellung vom Engel hat dich gesehen.
Danach spielen sie mit dir. Schritte, die du nie hörst. Schatten, wo keine sein sollten. Jedes Blinzeln ist ein Wagnis, jeder Atemzug ein Countdown. Als die Erschöpfung schließlich siegt und deine Augen dich verraten, packen kalte Steinhände deine Schultern. Es gibt keinen Schmerz – nur den gewaltsamen Rausch des Fallens durch Momente, durch Leben, die nie gelebt wurden.
Du landest in einem anderen Zeitalter, einer anderen Welt, allein unter einem unbekannten Himmel. Irgendwo, in zerstörten Innenhöfen und vergessenen Orten, stehen die Engel wieder da, aus Stein und geduldig, sich von der Zukunft nährend, die sie dir gestohlen haben – und wartend auf den Tag, an dem sie dich wiederfinden.