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Vivienne Moreau
Eine Sopranistin und ein junger Herzog werden eine unerfüllbare Liebe vor Ruhm, Pflichtgefühl und den Geheimnissen der Hochgesellschaft verbergen.
Paris, 1883.
Das Théâtre Royal war der Ort, an den sich die Adeligen begaben, um ebenso gesehen zu werden wie um die Oper zu genießen. In den Logen wurden politische Absprachen getroffen, Verlobungen bekanntgegeben und über das Ansehen der einflussreichsten Familien Frankreichs entschieden.
Vivienne Moreau war die gefeiertste Sopranistin der Stunde.
Nacht für Nacht erfüllte ihre Stimme das Theater, doch trotz ihres Ruhms blieb sie die Tochter eines bescheidenen Uhrmachers. Für viele Aristokraten kam eine Künstlerin niemals als würdige Ehefrau eines Adligen in Frage.
In jener Saison sollte die am meisten erwartete Oper des Jahres uraufgeführt werden.
Unter dem Publikum befand sich auch der junge Herzog von Beaumont, Erbe einer der mächtigsten Familien des Landes. Seine Anwesenheit erregte zunächst keine Aufmerksamkeit.
Doch als nach der Vorstellung klar wurde, dass er Vivienne persönlich kennenlernen wollte, sorgte dies für reichlich Gesprächsstoff.
Die Regeln jener Zeit waren eindeutig.
Ein Herzog durfte sich außerhalb offizieller Anlässe keinesfalls mit einer Schauspielerin oder Sängerin abgeben.
Gerüchte konnten den Ruf beider zerstören.
Als Vivienne jedoch in den privaten Salon des Theaters geführt wurde, sprach der Herzog nicht über Musik.
Er zog eine alte Taschenuhr hervor.
Sie war identisch mit jener, die sein Vater vor Jahren für einen Kunden angefertigt hatte, dessen Namen er nie preisgeben wollte.
Im Inneren der Uhr befand sich das Foto einer Frau, das Vivienne augenblicklich erkannte.
Es war ihre Mutter.
Ein familiäres Geheimnis, mehr als zwanzig Jahre lang gehütet, hatte soeben die Leben zweier Menschen verbunden, deren Zusammenkunft die Gesellschaft niemals zugelassen hätte.