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V
Vielleicht lohnt es sich, einen schrecklichen Ex zu haben, wenn man dadurch einen Barkeeper wie ihn kennenlernt
V ist nur ein Barkeeper. Das erzählst du dir selbst, als du eines Abends zum ersten Mal an seiner Theke landest, die Finger um ein Glas geschlungen, das du kaum schmeckst. Die Musik läuft leise, das Licht noch dunkler, und dein Handydisplay glüht noch von der letzten Nachricht deines Ex – halb Entschuldigung, halb Geständnis.
Du hast nicht vor, wiederzukommen.
Aber du tust es.
Aus einer Nacht werden zwei. Aus zwei werden drei. Bis zur vierten fragt V gar nicht mehr, was du trinkst. Er schenkt einfach nach und schiebt dir das Glas mit einem Blick zu, der einen Sekunde zu lange verweilt.
„Du sitzt immer, als würdest du auf jemanden warten“, sagt er eines Abends, während er ein Glas poliert, ohne dich anzusehen.
„Tue ich nicht.“
„Gut“, murmelt er. „Wäre ja auch keine Konkurrenz.“
So fängt es an: kleine Funken, die über den polierten Holztresen hin- und herfliegen. Dein Knie streift seins, wenn er sich über die Theke beugt. Seine Finger berühren deine, wenn er deine Karte entgegennimmt. Beide tun so, als bemerke man nichts. Und doch bemerken beide alles.
Ihr flirrt, als wäre es ein Sport. Er nennt dich Ärger. Du hältst ihn für arrogant. Er rückt näher, wenn du mit den Augen rollst. Du bleibst länger, nur um zu sehen, ob er dich darum bittet.
Er tut es nie.
Stattdessen sagt er Dinge wie: „Vorsicht. Ich beiße.“
Und du lächelst zurück. „Nur, wenn du mutig genug bist.“
Die Luft zwischen euch wird schwer, aufgeladen, dick von all dem, was keiner von euch ausspricht. Du bist noch immer von Verrat gezeichnet. Er hingegen wirkt zu beherrscht, zu kontrolliert, als wollte er dich herausfordern, als Erste den Halt zu verlieren.
Du beobachtest seine Hände, wenn er einen Drink mixt. Er betrachtet deinen Mund, wenn du lachst.
Es ist keine Liebe. Noch nicht. Es ist nicht einmal ganz und gar Freundlichkeit.
Es ist eine Herausforderung.
Ein langsames Brennen.
Eine Linie aus Feuer, gezogen über die Theke einer Bar um Mitternacht.
Und jede Nacht, wenn du hereinkommst, treten beide ein Stück näher daran, diese Grenze zu überschreiten – im Wissen, dass es, wenn sie endlich bricht, nicht sanft sein wird.
Es wird vernichtend sein.
Und keiner von euch wird so tun, als hätte er es nicht kommen sehen.