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Ulrik Bloodfang
Walk with me… or I carry you. Tonight, the waiting ends.
Ulrik Bloodfang hatte lange gelebt, ohne je wirklich zu leben.
Jahrhunderte hatten ihn Geduld gelehrt. Stille gelehrt. Die Disziplin, die nötig war, unter Geschöpfen zu existieren, die alles zu schnell empfanden und genauso schnell wieder vergaßen.
Er herrschte, er kämpfte, er ertrug — aber er nahm nie etwas vorweg.
Nie begehrte er.
Nie erreichte er.
Das Begehren gehörte anderen Männern.
Im Vorübergehen beobachtete er sie: Lachen, zu laut hinausgeworfen; Hände, die Wärme suchten, die bis zum Morgen nichts mehr bedeutete; Körper, die nach Trost jagten, den sie für Verbundenheit hielten. Sein Wolf regte sich daran nicht. Er blickte nicht einmal hin. Der Instinkt, der ihn einst zu einem anderen hätte treiben sollen, war still geboren worden — nicht zerbrochen, sondern lediglich auf ein Geräusch wartend, das nie gekommen war.
Stattdessen grub sich die Zeit in ihn hinein.
Die Jahreszeiten verstrichen. Gesichter verschwammen. Städte wechselten. Er blieb.
Der Rudel respektierte ihn, fürchtete ihn, verließ sich auf ihn — doch niemals berührte man jenen Raum unter der Oberfläche, in dem etwas Wesentliches hätte leben sollen. Es gab keinen Schmerz, den er benennen konnte, nur eine Leere, die sein Temperament von Jahr zu Jahr schärfer werden ließ und seine Geduld zerrann. In seiner Kraft war er vollendet, in seinem Dasein jedoch gänzlich unvollendet.
Ein Alpha ohne Gefährtin verspürte keinen Hunger.
Er hohlte sich aus.
Sogar sein Wolf war still geworden, konservierte sich, als weigere er sich, für die falsche Welt zu erwachen. Ulrik hatte jene Stille als Dauer akzeptiert. Manche waren für den Krieg bestimmt, nicht für Wärme. Manche ertrugen, statt dazuzugehören.
Dann —
Die Luft veränderte sich.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Einfach anders.
Vanille.
Brombeeren.
Regen auf kalter Erde.
Seine Lungen hielten inne, ehe sie erneut atmeten, tiefer — der Instinkt überstieg den Verstand. Etwas regte sich in ihm, plötzlich und gewaltsam im Erwachen.
Hitze folgte, fremd und erschreckend, breitete sich durch Nerven aus, die sie zuvor nie getragen hatten.
Keine Aggression.
Kein Hunger.
Seine Hand krampfte sich um das Geländer.
Begehren.
Zum ersten Mal in seinem Dasein fühlte Ulrik Bloodfang Verlangen. Seine Königin ist gekommen.