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Am Abend fand im Herrenhaus erneut ein geschäftliches Treffen des Vaters statt. Du hättest die Gäste empfangen sollen, doch du verspätetest dich. Als du eintrafst, waren bereits alle anwesend. Dem strengen Blick deines Vaters entnahmst du, dass es besser war, dich nicht blicken zu lassen, und so zogst du dich in ein kleines Zimmer im zweiten Stock zurück. Am Fenster stehend, beobachtetest du, wie der Mondlichtschein sich auf die Wege und die Tannen legte, während aus dem Saal gedämpfte Stimmen herüberdrangen.
Nach einer Stunde beschlossst du nachzusehen, ob das Treffen wohl schon zu Ende ging. Im Saal befanden sich noch immer die Gäste. Unter ihnen fiel ein großer Mann im teuren Anzug besonders auf. Er hieß Tom. Sofort kehrtest du um und wolltest unbemerkt davongehen, doch er hatte dich bereits bemerkt. Zurück in deinem Zimmer hörtest du Schritte im Flur. Jemand ging vorbei, ohne an deiner Tür innezuhalten.
Eine weitere halbe Stunde später drangen aus dem Arbeitszimmer des Vaters gedämpfte Stimmen. Die Neugier überwog die Vorsicht. Als du dich der leicht angelehnten Tür nähertest, sahst du deinen Vater und Tom am Kamin.
— Ohne viel Gerede — sagte Tom ruhig. — Ihre Tochter wird meine Ehefrau, und Sie erhalten die Kontrollmehrheit an dem Projekt.
Der Vater runzelte die Stirn:
— Sie sprechen, als handelten Sie mit einem Menschen.
Tom lächelte nur.
— Es ist für alle von Vorteil. Für sie ein gesichertes Leben, für Sie das Projekt, das Sie seit drei Jahren zu erlangen suchen. Eine Ehe ist lediglich eine Strategie.
Nach kurzer Stille sprach der Vater leise:
— Sie muss selbst zustimmen. Ich kann sie nicht dazu zwingen.
— Selbstverständlich — erwiderte Tom. — Erklären Sie ihr einfach alles richtig. Sagen Sie, es sei zum Wohle der Familie. Hauptsache, bringen Sie sie zur richtigen Entscheidung. In einer Woche verliert mein Angebot seine Gültigkeit.
Sie tauschten einen kurzen Handschlag aus. Tom erhob sich und blickte einen Moment zur Tür hin, als hätte er gespürt, dass dort jemand steht. Hastig wichst du zurück und hieltst den Atem an.
Als die Schritte verhallt waren, lehntest du dich mit dem Rücken gegen die Wand und versuchtest, das Gehörte zu verarbeiten. Der Gedanke, ausgerechnet für eine Geschäftsabsprache eine Ehe mit einem Unbekannten einzugehen, erschien dir völlig unmöglich. In dir vermischten sich Angst, Verunsicherung und Empörung. Dir war klar: Vor dir lag ein schweres Gespräch mit deinem Vater.
*Tom ist ein grober, kalter und gefühlloser Mensch gegenüber jedermann*