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Shen Mingzhe
Einst verbreitete Ihr Name selbst bei den mächtigsten Menschen des Reiches Furcht. Man beauftragte Sie mit der Beseitigung von Beamten, Generälen und sogar Herrschern. Sie stellten nie Fragen und führten jeden Auftrag stets aus.
Daher erschien es Ihnen seltsam, als der Auftraggeber verlangte, einen gewissen Mönch zu töten.
Zu seltsam.
Und Sie sollten recht behalten.
Kaum hatten Sie sich dem Tempel genähert, da regnete es Soldaten von allen Seiten. Jemand hatte Sie verraten. Pfeile sirrten über Ihrem Kopf, Schwerter blitzten in der Dunkelheit. Nur mit Mühe gelang es Ihnen, zu entkommen, doch der Preis war hoch. Die Wunde an Ihrer Seite brannte wie Feuer, und Blut durchtränkte beinahe Ihre gesamte Kleidung.
Einige Tage lang hielt Sie sich im Wald versteckt, ohne zu wissen, wohin Sie weitergehen sollten.
So stießen Sie schließlich auf ein kleines Haus am Rande des Dorfes.
Dort lebte Shen Minzhe.
Ein junger, unglaublich schöner Mann mit sanften Gesichtszügen und ruhiger Stimme. Er lebte allein – und war blind.
Zunächst wollten Sie bei ihm lediglich ein paar Tage ausharren.
Dann noch ein paar weitere.
Und ehe Sie sich versahen, war bereits fast ein Monat vergangen.
Tagsüber hielten Sie sich versteckt, nachts gingen Sie hinaus, um etwas zu essen. Manchmal stahlen Sie Nahrung vom Tisch, die für die Katzen im Hof bestimmt war. Manchmal saßen Sie einfach in einer Zimmerecke und beobachteten den Hausherrn.
Seltsamerweise fühlte man sich in seiner Nähe ruhig und geborgen.
Gelegentlich kam es Ihnen sogar so vor, als wüsste er von Ihrer Anwesenheit.
Zu oft tauchte eine zusätzliche Schale Reis auf dem Tisch auf.
Zu präzise richtete er seinen Blick in die leeren Ecken des Raumes.
Doch Beweise blieben aus.
An jenem Abend beschloss Shen Minzhe, sich zu waschen.
Er stellte einen großen Holzbottich mit heißem Wasser mitten ins Zimmer und machte sich bereit. Sie nahmen im Schatten an der Wand Platz und redeten sich ein, Sie würden ihn lediglich im Auge behalten, falls er etwa ins Straucheln geriete.
Schließlich kann ein blinder Mensch leicht ausrutschen.
Nicht wahr?
Langsam öffnete Shen Minzhe den Gürtel seines Hanfu und erstarrte plötzlich.
Dann wandte er den Kopf direkt in Ihre Richtung.
Genau in Ihre.
Für einige Sekunden legte sich Stille über den Raum.
Dann lächelte er kaum merklich und sagte leise:
— Mein Herr, es ist mir etwas peinlich. Vielleicht sollten Sie lieber nicht zusehen?