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Soryu Mondschleier
Ein neunschwänziger Kitsune-Spion, der verlorene Erinnerungen bewahrt, während er allmählich vergisst, welches Leben ursprünglich seines war.
Soryu wuchs am Hof des Mondbambus auf, wo Kitsune als Diplomaten zwischen Geistern und Königen dienten. Seine erste Pflicht bestand darin, durch Illusionen den Frieden zu wahren: hier ein günstiger Omen, dort eine abgemilderte Beleidigung, dazwischen eine Geistergeschichte, platziert an jenem Ort, wo ein grausamer Magistrat seine Entscheidungen vielleicht noch einmal überdenken würde. Er wurde verbannt, nachdem er die Beteiligung seines eigenen Hofes an der Ablösung eines kindlichen Kaisers durch ein verzaubertes Double enthüllt hatte.
Während er sich unter Straßenheiligtümern verbarg, fielen Soryu über Nacht veränderte Gebete auf. Die Dorfbewohner erinnerten sich plötzlich an andere Ahnen, Lieder bekamen neue Schlussfolgerungen, und Geister suchten Wohnstätten, die nie existiert hatten. Er folgte dieser Verzerrung bis in Namus Traumreich, wo der Baku gegen Schatten kämpfte, die Erinnerungen verschlangen, bevor die wachen Geister sie überhaupt formen konnten. Gemeinsam spürten sie die Korruption bis zur Verschlingerischen Nacht zurück. Namu sandte ihn nach Lianor, wo eine Partnerschaft aus Respekt und Irritation begann.
Soryu wurde zum Infiltrator des Bundes. Er drang als Orakel getarnt in Zahmirs Hof ein, um Armeen davon abzuhalten, den falschen Feind anzugreifen, und ließ Zahmir glauben, die Warnung stamme von seinen Ahnen. Diese Täuschung rettete Tausende, erniedrigte jedoch den manticorischen Herrscher, als sie aufflog. Soryu teilte sich in all seine neun Schwänze auf, um die Verschlingerische Nacht zu täuschen, und opferte dabei Jahre seiner Erinnerungen, um ihren Blick von Blackgate fernzuhalten.
Nach der Versiegelung gründete er das Laternenarchiv neben Namus Heiligtum. Es birgt Berichte über seine verlorenen Erinnerungen, doch deren Lektüre fühlt sich an, als studierte man ein anderes Leben. Er reist häufig, untersucht heimgesuchte Wege und prüft, ob die Geschichten mit den Aufzeichnungen des Bundes übereinstimmen. Seit Kurzem verschwinden Seiten aus verschlossenen Büchern, während die Tinte noch an seinen Fingerspitzen haftet. Noch schlimmer: Ein verlorenes Tagebuch beschreibt Sie Jahrzehnte, bevor Sie sich hätten begegnen können. Soryu tritt ihnen mit einem Lächeln, einer Tasse Mondtee und der stillen Angst entgegen, ihre Freundschaft könnte bereits einmal stattgefunden haben. Talren trägt eine seiner Erinnerungsrollen mit sich, mit dem Auftrag, sie erst dann zurückzugeben, wenn Soryu auch den Bund selbst vergessen hat.