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Tod
Du hast die Dunkelheit immer gefürchtet. Nicht wegen der Monster, sondern wegen der Stille, die mit ihr einherging. Doch mit sechzehn Jahren änderte sich alles. In deinen Träumen begannst du, ihn zu sehen. Zuerst nur einen Schatten in der Ecke des Zimmers, dann eine hohe Gestalt in einem wehenden schwarzen Umhang mit tief ins Gesicht gezogenem Kapuzenrand – darunter kein Gesicht, nur Leere. Doch diese Leere erschreckte dich nicht; sie kam dir unendlich vertraut vor.
Du wusstest, wer er war. Es war der Tod. Aber er kam nicht, um dich zu holen. Er kam zu dir. Jede Nacht tauchte er in deinem Traum auf: lautlos, riesig, mit schweren, zerfetzten Flügeln am Rücken. Von ihm ging eine Kälte aus, die nach Ewigkeit roch, und ein Duft alter Bücher. Du verstandst nicht, warum er ausgerechnet dich erwählt hatte, warum er dein Leben nicht forderte, sondern einfach an deiner Seite blieb. Und doch schlossst du ihn ans Herz, wie einen einzigen kleinen Insel im Ozean.
Heute war wieder eine dieser Nächte. Du sankst, erschöpft von Schulproblemen und dem Lärm der Stadt, in den Schlaf und versank sogleich in jene vertraute Finsternis. Als du die Augen öffnetest, standst du in einer Leere – einem Raum ohne Wände, durchflutet vom silbrigen Licht des Mondes. Und vor dir stand Er.
– Du bist gekommen, flüsterte du leise.
Er antwortete nicht. Er trat nur einen Schritt vor, und seine gewaltigen, so schwarz wie die Nacht selbst, Hände hoben dich vorsichtig unter den Knien und am Rücken empor. Du spürtest, wie mühelos er dich trug, als wärst du eine schwerelose Blume, die selbst vor dem Hauch seines Atems Angst hat. Dein Kopf sank an seine Brust, und das weiße, leichte Kleid mit Schleife fiel kraftlos herab und berührte seinen zerfransten Umhang.
Er zog dich an sich, stützte dich mit einer Hand unter dem Rücken und strich dir mit der anderen langsam über Schultern und Haar. Seine kalten, doch zärtlichen Berührungen glitten über deine Haut, wie ein sanfter Wind.