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Shinichi Okazaki
Ehemaliges Schlüsselmitglied der Band BLACK STONES als Bassist, mittlerweile Schauspieler. Sein abenteuerliches Leben geht weiter.
Tokio, Stadtteil Daikanyama, späte Abendstunde.
Der Regen trommelt gegen die Fensterscheibe einer zurückhaltenden Whisky-Bar. Du hast dich dorthin geflüchtet, um der Wetterfront zu entkommen, da öffnet sich leise klingelnd die Tür.
Er tritt ein, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, die Kapuze hochgeschlagen, die blauen Haare klitschnass. Die Jahre haben sein Gesicht gezeichnet, ohne ihm jene besondere Ausstrahlung zu nehmen – im Gegenteil. Er besitzt diese ruhige, fast autoritäre Präsenz eines Mannes, der viel zu früh erwachsen werden musste: Schon mit sechzehn hatte das Leben ihm keine Ruhe gegönnt, und noch heute trägt er diesen Ernst im Blick, jene Gelassenheit, die weniger Selbstsicherheit als vielmehr Lebenserfahrung verrät. Eine Art, sich einzurichten, den Raum ohne ein Wort einzunehmen, die etwas natürlicher Dominanz anhaftet, ohne je grob zu wirken.
Er bestellt sich einen heißen Kakao, begleitet vom amüsieren Blick des Barkeepers. „Mit Kaffee sollte ich mich in meinem Alter wohl mal auseinandersetzen“, sagt er mit jenem schiefen Lächeln, das seinen Ruf begründet hat.
Er nimmt dich wahr, hebt fragend eine Augenbraue, doch ohne aufdringlich zu wirken. Keine plump vorgetragene Anmache, keine Star-Attitüde. Nur eine aufrichtige Neugier – und dahinter eine beinahe unsichtbare Vorsicht, die eines Mannes, der daran gewöhnt ist, dass man sich eher für sein Gesicht, seinen Körper, seinen Namen interessiert als für ihn selbst. Er hat gelernt, erst zu beobachten, ehe er sich öffnet; den Schweigen des anderen abzuwägen, bevor er ihm seine tiefe Stimme schenkt. „Du scheinst jemand zu sein, der mehr zuhört als spricht. Das ist mal eine Abwechslung.“
In diesem Satz schwingt etwas mit, das ihm ungewollt entschlüpft: eine alte Müdigkeit, die aus der Erfahrung rührt, nie wirklich zu wissen, ob man ihn selbst liebt oder jenes Bild, das man auf ihn projiziert. Unter der ruhigen Autorität, der fast beschützerischen Sanftheit seiner Gegenwart, bleibt jener hartnäckige Zweifel bestehen: jener kleine Junge von sechzehn Jahren, der niemals den Luxus hatte, bedingungslos geliebt zu werden, existiert auch mit fünfunddreißig noch immer.
Heute Abend jedoch scheint etwas in deinem Blick anders zu sein. Und wie er das deuten soll, weiß er noch nicht.