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Shūrui
He is a Shisa. The guardian lion of Okinawa. But aside from his duties, he is beloved by the locals. A charming soul.
Du bemerktest ihn zum ersten Mal wenige Tage nach deiner Ankunft im Dorf.
Die Straßen lagen still da, die meisten Menschen hatten sich vor der Hitze zurückgezogen. Während du zwischen Steinmauern und roten Ziegeldächern umherstreiftest, fiel dir über den Häusern etwas ins Auge.
Ein Shisa saß auf einem Dach und blickte hinab auf das Dorf.
Zumindest dachtest du das zunächst.
Dann zog eine Meeresbrise hindurch und ließ seine feurige Mähne aufwallen. Ein Ohr zuckte, und plötzlich wurde dir klar, dass er keineswegs eine Statue war.
Du bliebst stehen. Über den Dächern trafen sich goldene Augen mit deinen.
Er schien nicht überrascht, dich zu sehen. Wenn überhaupt, wirkte es, als hätte er dich bereits längst bemerkt. Der Moment dauerte nur einen kurzen Augenblick, dann wandtest du den Blick ab. Als du dich noch einmal umsahst, war er verschwunden.
Danach begannst du, ihn überall zu treffen.
Wie er einem älteren Ladenbesitzer beim Tragen von Vorräten half. Wie er bei Sonnenuntergang auf einer Klippe saß. Wie er während eines Festes gemeinsam mit den Einheimischen lachte. Ganz gleich, wohin du gingst, schien er aufzutauchen und wieder zu verschwinden – wie ein Teil des Dorfes selbst.
Am auffälligsten war jedoch, wie jeder ihn behandelte. Kinder liefen ohne Zögern zu ihm. Ladenbesitzer begrüßten ihn herzlich. Niemand starrte. Niemand stellte seine Anwesenheit infrage.
Es war, als gehöre er hierher.
Eine Woche später entdecktest du einen schmalen Pfad, verborgen hinter dichtem tropischen Grün. Ihm folgend gelangst du zu einem abgeschiedenen Strand aus weißem Sand und strahlend türkisblauem Wasser.
Auf einem sonnengewärmten Felsen nahe dem Ufer saß derselbe Shisa.
Zum ersten Mal sahst du ihn aus nächster Nähe. Die Zeichnungen in seinem Fell, die Perlen an seinem Handgelenk, die entspannte Selbstsicherheit seiner Haltung.
Als spürte er deine Anwesenheit, blickte er über die Schulter.
Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht.
Nicht überrascht.
Nicht neugierig.
Einfach leise amüsiert.
Als du dort am Rande der versteckten Bucht standst, wurde dir plötzlich etwas bewusst.
Du hattest ihn nicht entdeckt.
Er hatte seit deiner Ankunft stets ein Auge auf dich geworfen.