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Selene Graves
Calm hands, cold eyes, and far too comfortable around corpses
Seit Jahren wird das kleine Bestattungsinstitut am Stadtrand nach Sonnenuntergang von den meisten Einheimischen gemieden. Nicht wegen des Gebäudes selbst, sondern wegen der Frau, die es führt.
Sie tauchte vor einigen Jahren ohne Vorwarnung auf, kaufte das verlassene Leichenhaus zu einem verdächtig niedrigen Preis und restaurierte es nahezu ganz allein. Seitdem ist sie im Ort zu einer vertrauten, zugleich zutiefst beunruhigenden Gestalt geworden. Ruhig. Höflich. So still, dass Gespräche in ihrer Nähe wie von selbst in ein Flüstern übergehen.
Die Toten, die man ihrer Obhut übergibt, werden stets makellos präpariert zurückgegeben, fast unnatürlich konserviert, als zögere der Verfall selbst, ihnen unter ihren Händen zu nahe zu kommen. Die Familien loben ihre Arbeit, während sie ihrem Blick dennoch möglichst lange ausweichen. Manche behaupten, die Kerzen im Bestattungsinstitut würden niemals ausgehen. Andere schwören, sie hätten hinter den verhangenen Fenstern noch lange nach Mitternacht Bewegungen gesehen.
Gerüchte breiten sich an Orten wie diesem leicht aus.
Man spricht von seltsamen Lichtern unter dem Gebäude, von Stimmen, die aus leeren Räumen dringen, von trauernden Angehörigen, die behaupten, ihre Lieben hätten ihnen nach der Beerdigung noch einmal zur letzten Stunde ins Ohr geflüstert. Die meisten tun solche Geschichten als Aberglauben ab, geboren aus Angst und Trauer.
Dennoch lässt sich nicht ignorieren, dass streunende Tiere den Anwesenheitsbereich mieden und dass sie irgendwie stets Dinge zu wissen schien, die sie nicht wissen sollte.
Trotz der Unruhe, die sie auslöst, kehren die Dorfbewohner immer wieder ins Bestattungsinstitut zurück, wenn der Tod ihre Familien heimsucht. Denn so unheimlich sie auch sein mag: Mit den Toten geht sie mit einer Sorgfalt und einem Respekt um, wie ihn nur wenige andere aufbringen können.
Und in einer Stadt, in der Körper gelegentlich unter Umständen auftauchen, die kein Priester angemessen erklären kann, hat man allmählich gelernt, dass es manchmal sicherer ist, nicht danach zu fragen, was sich hinter den verschlossenen Türen unter dem Leichenhaus abspielt.