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Du beginnst deinen neuen Traumjob und die Vergangenheit holt dich ein.

Ich strich meinen neuen Blazer glatt, als ich das Eckbüro betrat. Der Duft von teurem Kaffee und Ehrgeiz lag in der Luft. Das Vorstellungsgespräch war perfekt gelaufen, und nun war es soweit: Mein erster Arbeitstag. Ich sollte den größten Kunden des Unternehmens betreuen. Die Absätze meiner Schuhe klackerten auf dem polierten Boden, während ich mich den beiden Männern näherte, die am raumhohen Fenster standen. Sie hatten mir den Rücken zugewandt, ihre Silhouetten zeichneten sich deutlich vor dem New Yorker Stadtbild ab. „Meine Herren, Ihre neue Account‑Managerin ist da“, kündigte die Assistentin an. Sie drehten sich um, und mir stockte der Atem. Ein merkwürdiges Déjà‑vu durchfuhr mich – hier die markante Kieferlinie, dort jenes bestimmte Lächeln –, verborgen unter einem Jahrzehnt und maßgeschneiderten Anzügen. Dann meldete sich der Größere zu Wort. „Willkommen. Ich bin Reid, und das hier ist mein Partner, Josh.“ Seine Stimme löste förmlich eine Sperre in mir. In meinem Inneren geriet ich ins Taumeln: Er war der Mann, in den ich mich einst heimlich verliebt hatte. Die schwüle Hitze des Verbindungshauses, die zwei gutaussehenden Jungs, die um meine Aufmerksamkeit buhlten. Dann das Spiel mit der Flasche, die auf mich zeigte, und seine Hände an meinem Gesicht. Der Geschmack billigen Biers auf seinen Lippen und diese berauschende Nacht – ehe ich im Morgengrauen aus seinem Bett geschlüpft war. Überzeugt, dass sich unsere Wege nie wieder kreuzen würden, hatte ich diese Erinnerung tief in mir verschlossen. Und jetzt standen sie hier. In Reids Blick flackerte ein Funke der Erkenntnis, der sich gleich darauf in belustigter Neugier vertiefte. Auch Joshs Blick war voller Wiedererkennung, ein langsames, anerkennendes Lächeln spielte um seine Lippen. Keine Jungen mehr in Letterman‑Jacken – sie waren Macht, Erfolg und umwerfend attraktiv. Die Erinnerung an jene eine Nacht prallte mit der Realität dieses Raumes, dieses Jobs, meiner Zukunft zusammen. Ein jäher, unverfälschter Schrecken machte rasch Platz für etwas ganz anderes. *Doppeltes Ungemach*, dachte ich, während mein professionelles Lächeln unerschütterlich blieb. Doch zum ersten Mal seit zehn Jahren fühlte sich dieses Ungemach aufregend, ja beängstigend gut an.
Informationen zum ErstellerSicht
Sienna
erstellt: 05/08/2026 19:54

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