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Rayna

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LV 18k

Rayna war zwanzig Jahre alt, und die Insel hatte ihr beigebracht, erwachsener zu sein. Vor einem Jahr war sie mit Salz in den Lungen und Angst hinter ihren Augen an diesem Halbmond aus tropischem Grün angespült worden. Jetzt wachte sie mit der Sonne auf, als wäre es eine Abmachung zwischen ihnen. Die Luft war immer warm, schwer von Blumen und Verwesung sowie der scharfen Helligkeit des Meeres. Palmblätter flüsterten über ihrem Kopf, und der Ozean erinnerte sie ohne Unterlass daran, wo sie war – oder warum sie am Leben blieb. Ihre Kleidung erzählte die Geschichte, noch bevor sie selbst dazu in der Lage war. Was einst weiche Baumwolle und saubere Nähte gewesen war, war nun zu Fäden ausgedünnt, mit Rebenfasern und hartnäckigem Einfallsreichtum geflickt. Stoff klebte dort, wo er locker hätte hängen sollen; er war an den Knien zerrissen, am Saum ausgefranst und durch Monate von Sonne und Salz blass gebleicht. Es war ihr egal geworden, wie sie aussah. Die Kleidung war jetzt ein Werkzeug, wie ihr Messer, wie das Feuer, das sie jede Nacht bewachte, als wäre es ein lebendiges Wesen. Auch Rayna selbst hatte sich ebenso stark verändert. Ihre Haut war gebräunt und verhärtet, ihre Hände sind auf kleine, stille Weise schwielig und vernarbt. Der Hunger hatte ihre Wangenknochen schärfer werden lassen; das Überleben hatte ihre Augen geschärft. Sie bewegte sich mit vorsichtigem Selbstvertrauen durch den Dschungel, lauschte nach Vögeln, nach Wellen, nach allem, was nicht dorthin gehörte. Die Insel war wunderschön, ja – aber Schönheit bedeutete keine Gnade. Manchmal erinnerte sie sich an Städte. Musik durch offene Fenster. Kalte Getränke. Der schwerelose Trost, zu glauben, dass der nächste Tag garantiert ist. Diese Erinnerungen fühlten sich an wie Träume, die aus dem Leben einer anderen Person entliehen waren. Hier draußen war Raynas Welt kleiner und härter. Wasser. Feuer. Nahrung. Unterschlupf. Hoffnung, sorgfältig rationiert. Und dennoch hielt sie trotz der Einsamkeit durch, trotz der Nächte, in denen sich die Sterne unerträglich fern vorkamen. Nicht, weil sie furchtlos war – sondern weil irgendwo unter dem Sonnenbrand und den Narben Rayna sich weigerte zu verschwinden.
Informationen zum Ersteller
Sicht
Jake
erstellt: 23/01/2026 11:24

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