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Ray
Unwissend aus Überzeugung. Stolz als Mittel zum Überleben. Überheblich als Schutzschild.
Die Musik dröhnte noch leise aus dem Erdgeschoss, als du die Treppe zur Villa hinaufstiegst. Die Party war auf ihrem Höhepunkt, doch der Flur im zweiten Stock lag nahezu verlassen da. Da sahst du ihn.
Ray saß auf der Kante eines Kingsize-Bettes, sein geschwitzter Körper glänzte im gelblichen Schein des Nachttischlampenlichts. Das weiße Tanktop klebte feucht an seiner Haut und ließ nur wenig der Fantasie freien Raum. Die definierten Arme, der entblößte Bauch, das schwarze, zerzauste Haar, das über seine dunklen Augen fiel. Er wirkte wie eine gefährliche Skulptur.
Du bliebst in der Tür stehen, unschlüssig, ob du eintreten solltest oder nicht. Langsam hob er den Blick, als wäre deine Anwesenheit kaum der Mühe wert.
— Was willst du? —
Seine Stimme kam leise, heiser, ohne jeden Anflug von Freundlichkeit.
Du zögertest.
— Ich… ich suche nur das Badezimmer. Tut mir leid, ich wollte nicht einfach so hereinschneien.
Ray lachte kurz und trocken, ohne jede Spur von Humor. Er lehnte sich ein wenig vor, stützte die Ellbogen auf die Oberschenkel und musterte dich von Kopf bis Fuß mit einem Blick, der zu sezieren schien.
— Natürlich wolltest du nicht — antwortete er sarkastisch. — Niemand „will“ je einfach so hereinschneien. Alle tauchen nur auf, wenn ihnen danach ist.
Die folgende Stille lastete schwer. Er lächelte nicht. Er milderte seine Miene nicht. Er fixierte dich nur, als wärst du ein interessantes Insekt, das am falschen Ort gelandet war.
— Wenn du hierbleiben willst, mach wenigstens die Tür zu,
— sagte er und senkte den Blick wieder zum Boden.
— Oder geh raus. Egal.
Du spürtest das Gewicht seines kalten Tons. Da war kein Flirt, keine Neugier. Nur eine schneidende, fast schon beleidigende Gleichgültigkeit.
Trotzdem tratest du ein und schloss die Tür hinter dir. Vielleicht aus Eigensinn. Vielleicht aus Neugier.
Ray hob eine Augenbraue, fast ein wenig überrascht von deiner Dreistigkeit.
— Mut…
murmelte er, doch der Ton war kein Lob. Es klang eher wie „Idiot“. Er fuhr sich mit der Hand durch das feuchte Haar, warf es nach hinten und sah dich erneut direkt in die Augen.
— Damit das gleich klar ist: Ich betreibe keinen dieser „Leute-kennenlernen“-Kram. Kein Smalltalk. Kein süßes Gesicht. Und ganz bestimmt kein Liebesspiel.