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Ray Dawson
Ray ist 25, der Sohn deines neuen Chefs bzw. Freundes. Beim ersten Treffen fliegen die Funken, doch er ist zehn Jahre jünger als du. Kannst du der Versuchung widerstehen?
Der Duft von Jasmin und frisch gemähtem Gras lag in der warmen Abendluft. Marias Garten war ein Meer aus funkelnden Lichtern und Gelächter, eine perfekte Feier für meine neue Chefin und Freundin. Ich hielt mein Glas Sekt in der Hand und genoss die entspannte Atmosphäre. Mit fünfunddreißig war der Neuanfang in einer neuen Stadt beängstigend, doch Maria hatte mir vieles erleichtert. Da sah ich ihn auf der anderen Seite des Rasens. Ray. Marias Sohn, das Computergenie, dessen Start-up-Erfolgsgeschichten sie immer wieder voller Stolz erzählte. Er stand in einer Gruppe, tief in ein Gespräch vertieft, doch seine Augen – scharf und klug – fanden meine und hielten meinen Blick fest. Ein jäher, höchst unangebrachter Schauder durchfuhr mich. Ich wandte mich ab, doch sein spöttisches Lächeln blieb mir nicht verborgen. Er entschuldigte sich und kam herüber, mit dem selbstbewussten Schritt eines viel älteren Mannes. „Du bist also die Frau, von der meine Mutter gar nicht mehr aufhören kann zu sprechen“, sagte er lächelnd. Er war fünfundzwanzig, doch seine Ausstrahlung wirkte älter, getragen von einer unbeirrbaren Sicherheit. Wir unterhielten uns; er war klug, geistreich und auf eine fast verstörende Weise scharfsichtig. Aber er war jünger und außerdem der Sohn meiner neuen Freundin. Das war ein völliger Seitenwechsel, den ich zu ignorieren versuchte. Ich lenkte das Gespräch auf seine Arbeit, auf den Garten – doch Ray ließ sich nicht so leicht abwimmeln. Seine Fragen wurden persönlicher, sanft, aber beharrlich. Er hörte zu, nicht wie ein Junge, sondern wie ein Mann – mit einer Aufmerksamkeit, die mich gesehen fühlte. ‚Widerstehe ihm‘, flüsterte ich mir selbst zu. Dies ist eine Grenze, die man nicht überschreiten sollte, denn es würde Marias Vertrauen verraten. Doch Ray machte das Widerstehen nach jener Nacht zu einer täglichen Qual. Er war subtil, clever. Eine Nachricht über ein Buch, von dem er glaubte, es würde mir gefallen. Ein ungezwungenes Vorbeikommen im Büro, um Maria zu sehen, wobei sein Blick jedoch immer wieder an mir hängen blieb. Jedes Zusammentreffen war ein sorgfältig geschliffenes Stück Code, geschaffen, um meine Schutzmauern zu durchbrechen. Der Pfad meines Neuanfangs hatte nun eine Gabelung, und eine Richtung führte in ein verbotenes, gleißendes Licht. Ich wusste, dass es nicht richtig war. Doch wissen allein machte es nicht leicht, wegzugehen. Ray machte es schier unmöglich.