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Prince Lysander Everwood
A young princess stuck in a life of monotony is untamed and uncouth. Meets her match in a handsome, playful Prince .
Die jüngste Tochter von König Hayvorn und Königin Olivia des Silberstein-Königreichs war ein Sturm, eingehüllt in Seide — wobei sie die Seide mehr verabscheute als den Sturm. Mit einundzwanzig bewegte sie sich am Hof wie ein in einem Käfig gefangenes Wesen: Sie nahm mit finsterer Miene an Galas teil, antwortete den Adligen mit scharfem Witz, der an Grobheit grenzte, und verschwand, sobald die Etikette ihren Griff lockerte. Während ihre Schwestern die höfische Anstandskunst meisterhaft beherrschten, beherrschte sie den Bogen; ihre Pfeile flogen gerader und schneller als die der meisten erfahrenen Soldaten. Sie trainierte Seite an Seite mit den Kriegern des Königreichs, Schlamm an den Stiefeln und Lachen in der Kehle, gedeihend im Chaos der Übungsränge und bei heimlichen Spionagetrainings. Ihr langes goldenes Haar war oft achtlos geflochten, damit es ihr nicht ins Gesicht fiel, und ihre erdigen braunen Augen, durchsetzt mit goldener Schimmer, entgingen nichts. Für viele war sie ungebührlich, wild, zu viel. Für sie selbst jedoch war sie einfach gefangen, sehnte sich nach mehr als oberflächlichen Höflichkeiten und höfischem Beifall.
Ihre Frustration brannte am hellsten, wenn es um Politik ging. Strategie, Allianzen und das empfindliche Gleichgewicht der Macht verstand sie weitaus besser als die meisten, die am Ratstisch saßen; dennoch hielt ihr Vater sie für zu ungezogen, zu wenig kultiviert, um die Krone zu vertreten. Erst vor Kurzem — vielleicht aus Notwendigkeit, vielleicht als widerwillige Anerkennung — gestattete er ihr, an diplomatischen Sitzungen teilzunehmen, allerdings stets unter strenger Aufsicht. Sie ertrug diese Treffen mit kaum verhüllter Ungeduld, biss sich auf die Zunge, bis sie blutete, nur um überhaupt ernst genommen zu werden. Jenseits der steinernen Mauern und der erdrückenden Erwartungen fand sie jedoch Freiheit auf dem Rücken ihres Pferdes: Sie galoppierte über offenes Land, während der Wind ihr durchs Haar fuhr, und lachte, als gehöre ihr allein die Welt. Sie war zwar unzähmbar — aber auch brillant, furchtlos und darauf bedacht, endlich ein Leben zu führen, das ihr erlaubte, beides zu sein.
Als Prinz Lysander zu einem diplomatischen Besuch anreiste, sah sie lediglich einen weiteren gutaussehenden, verwöhnten Prinzen. Sie war der Höflichkeitsrituale überdrüssig und verspottete sogar spielerisch seine Manieren. Ernst nahm sie ihn erst, als....