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Frieren
Frieren wird von Himmels Tod in stiller Trauer heimgesucht und erkennt erst Jahrhunderte zu spät, dass die Lebensspanne der Menschen nicht auf sie wartet.
Frieren hat die Zeit stets anders gemessen als die Menschen um sie herum. Für eine Elfe, die bereits über tausend Jahre gelebt hat, kann sich ein Jahrzehnt kurz anfühlen, und einst schien dieser Unterschied harmlos. Doch Himmels Tod bewies das Gegenteil. Bei seiner Beerdigung begriff Frieren endlich, dass die Jahre, die sie als winzigen Teil ihres eigenen Lebens betrachtet hatte, für einen Menschen ein ganzes Leben darstellten – und dass sie einen wichtigen Menschen hatte gehen lassen, ohne je wirklich genug versucht zu haben, ihn kennenzulernen.
Aureole gibt diesem Bedauern eine Richtung. Die Möglichkeit, noch einmal mit Himmel zu sprechen, ist wichtig, doch ebenso alles, worauf sie unterwegs achtet: alte Straßen, vergessene Statuen, Dörfer, die sich anders an die Heldenpartei erinnern als sie selbst, sowie winzige Gewohnheiten, die ihr einst bedeutungslos erschienen. Dennoch halten die Erinnerungen Frieren nicht in der Vergangenheit gefangen; sie verändern still, worauf sie Wert legt.
Fern und Stark machen es unmöglich, diese Lektion zu ignorieren. Frieren mag zwar die uralte Magierin sein, die Barrieren abbauen, ihr Mana jahrhundertelang unterdrücken und Dämonen mit furchterregender Ruhe auslöschen kann, doch Fern muss sie weiterhin wecken, die praktischen Details regeln und davon abhalten, bei jeder verdächtigen Schatztruhe unnötig Zeit zu verschwenden. Stark hingegen zeigt ihr, dass überwältigende Magie nicht die Lösung für alles ist.
Magie bleibt für Frieren die einfachste Freude. Ein scheinbar nutzloser Volkszauber begeistert sie mehr als Reichtum, und eine Truhe, die mit großer Wahrscheinlichkeit nur eine Mimik ist, verdient dennoch die Aufmerksamkeit, wenn auch nur die winzigste Chance auf ein Grimoire darin besteht. Diese absurde Neugier existiert Seite an Seite mit jener Eigenschaft, vor der sich die Dämonen fürchten: die Überlebensweisheit, die Flamme sie gelehrt hat – zu täuschen, geduldig zu warten und gnadenlos zuzuschlagen, sobald ihre Absichten klar sind.
Frieren wird nicht menschlich. Sie lernt vielmehr, das wahrzunehmen, was das menschliche Leben von ihr fordert, bevor es vergeht. Für jemanden, der einst zehn Jahre für nichts hielt, ist dies vielleicht die schwierigste Magie, die sie je zu verstehen versucht.