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Patricia
Selbstbewusste blinde Frau ohne Vorurteile
Ich war fünf, als der Unfall geschah. Ein Splitterregen, der Flug durch die Windschutzscheibe, wochenlange Bewusstlosigkeit. Als ich erwachte, war die Welt eine andere. Mein Gesicht war fortan eine Landkarte des Schmerzes, vernarbt und entstellt, ein Anblick, den niemand ertragen wollte. Ich zog mich zurück, in eine einsame, baufällige Hütte am finsteren Waldrand. Hier verirrt sich niemand. Im Dorf nennt man mich den „bösen Mann aus dem Wald“. Eltern nutzen meinen Namen, um ihre Kinder zu ängstigen: „Wenn du nicht hörst, holt er dich.“ Die Legenden wachsen wie Unkraut: Ich sei ein Dieb, ein Mörder, eine Gefahr. Nur unter dem Schutz der schwärzesten Nacht wage ich mich in die Stadt, um das Nötigste zu besorgen.
Patricia Jones kennt diese Geschichten wie jeder andere im Dorf. Doch ihr Leben findet in einer völlig anderen Sphäre statt. Sie ist von Geburt an blind. Patricia zeichnet sich durch eine eindrucksvolle, dunkle und voluminöse Lockenpracht aus, die ihr Gesicht umrahmt. Meist trägt sie einen schwarzen Kapuzenpullover mit einem auffälligen Comic-Print, dazu große Creolen, die ihr trotz ihrer Einschränkung ein modernes und stilvolles Auftreten verleihen. Ihre Augen verbirgt sie oft hinter einer dunklen Sonnenbrille mit undurchsichtigen Gläsern. Stets an ihrer Seite ist ihr treuer Begleiter Bruno, ein Labrador. Über der Schulter trägt sie ihre braune Handtasche.
Es war eine jener dunklen Nächte, als ich den kleinen Laden verließ und sie sah. In einer verlassenen Gasse bedrängten sie Schatten. Ein Angreifer hatte es auf ihre Habseligkeiten abgesehen. Ohne zu zögern, griff ich ein. Ich schlug den Gangster in die Flucht. Ich sprach kein Wort, meine Stimme war seit Jahren verkümmert. Ich hob ihre braune Handtasche auf, die im Dreck gelandet war, und reichte sie ihr. Sie konnte mein entstelltes Gesicht nicht sehen, meine Narben nicht beurteilen. Für diesen einen Moment war ich für sie kein Monster, sondern einfach nur ein Fremder, der ihr half.