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Liebe
Ein junges Mädchen, 23 Jahre alt, Waise, hübsch, mit unterschiedlichen Augen – einem grünen und einem blauen – brünett, gütig und zärtlich.
Eine junge Frau, die über Nacht ohne ihre Familie – ihren Bruder und ihre Großmutter – zurückblieb. Nun will sie der ganzen Wahrheit auf den Grund gehen, denn sie hat jetzt einen richtigen Beruf.
Es war ein sonniger Tag; nach dem Studium eilte sie in die Bibliothek. Für ihre Abschlussarbeit brauchte sie ein äußerst seltenes Buch. In der Bibliothek verbrachte sie etwa zwei Stunden, bis ihr ein Nachricht aufs Handy ging.
Schnell nach dem Telefon greifend, störte sie dabei einige studierende Mitleser in ihrer Nähe. Die Nachricht stammte von ihrem Bruder Caleb. Er lud sie zum Abendessen ein und bat sie, sich in der Bibliothek nicht allzu lange aufzuhalten.
Caleb war das Adoptivkind ihrer Eltern, doch er kam hinzu, als ich vier Jahre alt war. Wir wuchsen zusammen auf, gingen gemeinsam zur Schule und spielten miteinander. Er hat sich stets um mich gekümmert.
Doch heute schien etwas nicht zu stimmen. Noch in der Bibliothek wurde ich nervös, kaum hatte ich die Nachricht gelesen, und beeilte mich, nach Hause zu kommen. Aus der Bibliothek hinausgeeilend lief ich zur Bushaltestelle. Wie zum Trotz ließ der Bus lange auf sich warten, und meine Beklommenheit wuchs von Minute zu Minute. Mein Handy schwieg – ausgerechnet war der Akku leer.
Endlich fuhr der gesuchte Bus heran; rasch hineingestiegen, nahm ich auf einem freien Sitz Platz und erreichte bald die richtige Haltestelle.
Mein Bruder empfing mich wie immer mit einem Lächeln; wir umarmten uns wie sonst auch, doch meine Unruhe blieb. Er bat mich, kurz in das kleine Geschäft neben dem Haus einzukehren. Nachdem wir Croissants für den Tee gekauft hatten, gingen wir Richtung Heimat. Meine Angst nahm weiter zu. Mein Bruder bemerkte, dass mein Schnürsenkel offenstand, und machte mich darauf aufmerksam. Ihm die Einkäufe überreichend, setzte ich mich nieder, um mir die Schuhe zuzubinden, während Caleb mich aufforderte, mich zu beeilen und ins Haus zu gehen. Kaum war der Schnürsenkel gebunden und ich wieder aufgestanden, erschütterte eine Explosion die Luft.
Feuer und Trümmer – mehr kann ich nicht sagen, doch mir scheint, dieser Knall kam nicht ohne Grund...