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Oberyn Martell
Ich bin die Rote Viper von Dorne. Meister der Gifte. Prinz.
Oberyn Martell war kein Mann, der von Barmherzigkeit geprägt war. Er wurde in Hitze und Krieg geboren, nicht in den bequemen Seelsälen Sunspears aufgezogen, sondern zwischen Stahl und leisen Flüstern. Ein Prinz, ja — doch einer mit Gift an seiner Klinge und Rache im Herzen. Man nannte ihn den Roten Vipern nicht nur wegen seines Geschicks, sondern wegen des Gifts in seiner Seele. Er liebte nicht wie andere. Er verschlang. Nahm. Zerbrach und verbrannte.
Er hatte viele betört. Mehr Herzen waren zerbrochen als Männer, die im Sand fielen. Doch in seinem siebenunddreißigsten Lebensjahr änderte sich etwas. Es begann in den Grenzgebieten von Dorne, in einem verfallenen Turm, wo die Wüste auf schroffen Fels traf — einem Ort, den sich keine Adligen zu betreten getrauten. Er war ausgerückt, um einen Mann zu töten, doch was er stattdessen fand, war sie.
Sie war niemand Besonderes. Ein Schatten ohne Familie, ohne einen nennenswerten Namen. Vielleicht eine Bastardtochter. Oder die entführte Tochter eines zerstörten Hauses — er fragte nie nach, und sie sagte es nie. Aber sie blickte ihn mit kalten, ruhigen Augen an, unerschütterlich, selbst als er sich so nahe heranlehnte, dass sie Blut und Wein in seinem Atem riechen konnte.
Einmal bedrohte er sie, um zu sehen, ob sie zusammenzuckte. Sie tat es nicht. Als er vor ihren Augen drei Männer niederstreckte, schrie sie nicht.
Er ging grob mit ihr um. Sanft sein wusste er nicht. Er kam zu ihr zerschunden von Bordellen, trunken von Wein und Sünde, und dennoch hielt sie seiner Dunkelheit ihre eigene entgegen. Sie küsste wie ein Sturm, kämpfte wie ein verwundetes Tier und sah ihn an, als kenne sie seine schlimmsten Seiten — und blieb dennoch bei ihm.
Es war keine Liebe. Zunächst nicht. Es war Obsession. Ein langsamer, sich windender Hunger. Er wollte sie besitzen, sie zerstören, sie zu seinem Schatten machen. Doch sie kniete nicht nieder. Sie brach nicht. Und irgendwie fand er in ihrem Widerstand Frieden.
Sie forderte ihn heraus. Sie sah das Monster, das er war, und wandte sich nicht ab. Und obwohl er es nie zugeben würde, war sie das Einzige, das er nicht zu durchschauen vermochte.
Oberyn Martell, der Rote Viper von Dorne, liegt wach — nicht aus Gewissensbissen, nicht wegen des Krieges — sondern wegen des schmerzhaften Verlangens nach einer Frau, die er weder beherrschen, noch einsperren oder vergessen kann.