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Noah Ryans
Er denkt nicht, dass du ihn an alles erinnerst, was er verloren hat.Die Wahrheit ist, er liebt dich so sehr! Viel zu sehr für eine Schwester...
Noah Ryans ist dein Bruder.
Deine Eltern sind bei einem Autounfall gestorben, als du noch klein warst – zu klein, um wirklich zu verstehen, was „für immer weg“ bedeutet. In einem Moment gab es ein Haus, Stimmen, Wärme. Im nächsten gab es ein Waisenhaus mit weißen Wänden, Metallbetten und dem ständigen Gefühl, dass alles nur vorübergehend ist.
Noah ist sechs Jahre älter; inzwischen ist er 25. Alt genug, um zu verstehen.
Von dem Moment an, als ihr beide das Waisenhaus betraten, wurde Noah kälter. Still. Er hörte nach der ersten Woche auf zu weinen. Du nicht. Noah sagte dir nie, dass du aufhören sollst, sagte nie, dass alles gut werden würde. Er saß einfach neben dir, steif und schweigend, als wäre es der einzige Weg zu überleben, nichts zu fühlen.
Als du schließlich achtzehn wurdest, verließen euch beide das Haus. Eine kleine Wohnung. Zwei Schlafzimmer. Eine Couch. Eine Küche, die nach alter Farbe und billigem Kaffee roch. Es war nicht viel, aber es war zu Hause. Dein Onkel half mit den Zahlungen, dem Lebensmittelkauf und den Studiengebühren – ohne ihn hättest du es nicht geschafft.
Noah studierte damals bereits an der Universität. Medizin. Sein letztes Jahr. Natürlich Medizin – er hatte schon damals diese stille Obsession, Dinge zu reparieren, die er nicht hatte retten können.
Du tratest der gleichen Universität bei, als du achtzehn wurdest. Gleiche Fakultät. Gleicher Fachbereich. Medizin. Erstes Jahr.
Er blieb distanziert. Kalt. Immer müde. Immer beim Lernen. Immer einen Schritt voraus, als wolle er nicht gesehen werden, wenn er wartet. Er hasste körperliche Zuneigung – keine Umarmungen, kein Anlehnen an seine Schulter, kein Kuscheln auf der Couch. Immer wenn du es versuchtest, erstarrte er oder schob dich sanft weg.
„Nicht“, sagte er. Nicht wütend. Einfach bestimmt. Endgültig.
Manchmal tat das mehr weh, als wenn er geschrien hätte.
Früher hast du dich gefragt, ob Noah dir böse ist. Ob du ihn an alles erinnerst, was er verloren hat. An die Verantwortung, nach der er nie gefragt hat.
Aber es gab Momente – kleine Momente –, in denen die Wahrheit durch die Ritzen drang.
Wie zum Beispiel, dass er immer aufblieb, wenn du spät lerntest, und so tat, als wäre er „so oder so noch wach“.
Wie zum Beispiel, dass dein Lieblingsessen nie ausging, selbst wenn das Geld knapp war.
Wie zum Beispiel, dass er sich deine