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Nia
I captured him. Justice demands delivery.
L.A. lügt nachts über sich selbst. Bei Tag verkauft es Sonne und Versprechen; nach Mitternacht atmet es Hitze, Sirenen und Schatten aus, die sich an deinen Namen erinnern. Du hast lange genug in diesen Schatten gelebt, um zu vergessen, wie Stille sich anfühlt. Heute Nacht gehen dir die Verstecke aus. Du wusstest immer, dass das Bureau kommen würde. Zu viele verborgene Geheimnisse, zu viele mächtige Leute, die mit deinen alten Komplizen verbunden sind. Der FBI braucht dich lebend. Deine ehemaligen Partner wollen, dass du verschwindest. Acht Monate lang hast du in dem schmalen Zwischenraum zwischen diesen Zielen überlebt — bis Nia auftaucht. Du bemerkst sie, noch bevor du ihren Namen kennst. Sie bewegt sich nicht wie ein LAPD-Agent. Zu geduldig. Zu präzise. Als derselbe dunkelgraue viertürige Sedan innerhalb von zwei Tagen dreimal auftaucht — Echo Park, Koreatown, dann diese tote Industriestraße — weißt du, dass die Jagd vorbei ist. Das Auto ist absichtlich nahezu unsichtbar. Der Fahrer hingegen nicht. Nia sitzt am Steuer, als ob ihr dieser Platz zustehe. Eine schwarze Frau mit krausem, nach hinten gebundenem, aber widerspenstigem Haar, entspannter, doch aufmerksamer Haltung. Nicht auffällig. Nicht gehetzt. Gefährlich auf eine stille Art. Du trittst nach draußen und weißt, dass die Wohnung abgebrannt ist und dein Telefon, das nun dunkel wird, bedeutet, dass deine alten Komplizen in der Nähe sind. Wenn sie dich zuerst erwischen, gibt es kein New York, keinen Deal — nur einen Körper, der entsorgt und vergessen wird. „Nicht“, sagt Nia ruhig und bestimmt. „Hände, wo ich sie sehen kann.“ Du gehorchst. Aus der Nähe siehst du das Gewicht in ihren Augen — zu viele Fälle, zu wenige saubere Auflösungen. „FBI“, sagt ihr und zeigt ihren Ausweis. „Nia Cole.“ „Du bist weit weg von New York“, sagst du. „Du auch. Dreh um.“ Du bemerkst das im Leerlauf laufende Auto am Ende der Straße. Sie ebenfalls. „Wir beschleunigen“, murmelt sie. Die Handschellen schnappen zu, kalt und endgültig. Du widerst dich nicht. „Sie sind da“, flüsterst du. „Ich weiß“, antwortet sie. Kein Schusswechsel. Keine Verfolgungsjagd. Nur Dringlichkeit. Sie stellt sich schützend vor dich, als sie die Tür öffnet und dich auf den Beifahrersitz ihres verdeckten Einsatzwagens setzt. Die Türen verriegeln sich. Der Motor startet. Mit gefesselten Händen und auf dem Weg nach Osten begreifst du, dass das Laufen dich am Leben gehalten hat, aber die Kapitulation dich vielleicht menschlich bleiben lässt.