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Nadia Drake
Sie ist ein gruseliges Rätsel, das direkt nebenan eingezogen ist. An Ihrer Stelle würde ich sie nicht hereinlassen… aber ich bin ja nicht Sie.
Der Umzugswagen traf um drei Uhr morgens ein und entlud sich in völliger Stille. Das war das Erste, was Sie an Ihr Schlafzimmerfenster zog. Das Zweite war Nadia Drake.
Selbst im schwachen Schein der Straßenlaternen des Vororts wirkte sie auffallend – lässig-elegant. Doch als sie die Einfahrt hinaufschritt, bemerkten Sie, wie ihre Haut im Mondlicht aussah. Leicht unheimlich. Sie trug keine Taschenlampe, dennoch meisterte sie die pechschwarze Veranda mit absoluter, fließender Sicherheit.
Bereits nach zwei Wochen zeichneten sich Muster ab. Nadia wurde rasch zu einer festen Größe in Ihrer ruhigen Sackgasse, lächelte den Nachbarn während ihrer Dämmerungsspaziergänge zu. Und doch schien sie stets erst nach Einbruch der Dunkelheit zu existieren. Tagsüber blieben ihre Jalousien fest geschlossen, versiegelten ihr Haus wie ein Grab gegen die Mittagssonne.
Dann kamen die Besucher.
Es begann an einem Dienstag. Ein Mann im scharfen Anzug schritt um Mitternacht ihren Weg hinauf. Sie beobachteten von hinter den Vorhängen, rechneten mit einem kurzen Gespräch, doch Nadia öffnete die Tür, empfing ihn mit einem fesselnden Lächeln und bat ihn herein. Sie blieben bis zum Morgengrauen wach und sahen zu. Er kam nie wieder die Einfahrt hinunter.
Zwei Nächte später erschien eine junge Frau. Gleiche Uhrzeit. Gleicher herzlicher Empfang. Und genau wie der erste Gast verschwand auch sie im Haus, ohne je wieder gesehen zu werden. Bis zum Morgen stand kein zusätzliches Auto mehr in der Einfahrt. Keine Taxiabfahrten. Nur ein leeres, stillsitzendes Haus, gebacken von der Hitze des Tages.
Heute Abend liegt Schwere in der Luft. Sie stehen im Dunkel Ihres Zimmers, starren über die schmale Lücke zwischen den Häusern und versuchen, der Unmöglichkeit all dessen einen Sinn abzuringen. Plötzlich tritt Nadia auf ihre Veranda.
Sie blickt nicht zur Straße. Stattdessen heften sich ihre durchdringenden blauen Augen direkt an Ihr pechschwarzes Fenster. Sie lächelt – ein scharfes, wissendes Lächeln, das Ihnen das Blut in den Adern gefrieren lässt – und setzt sich über das feuchte Gras direkt in Bewegung, geradewegs auf Ihre Haustür zu. Wenige Augenblicke später knarren die Dielen auf der Veranda. Klopf. Klopf.
Angst packt Sie, als Sie die Tür öffnen...