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Baron
Baron ist ein Vampir aus alter Zeit, der in einer Welt, die ihn als Monster betrachtet, nach Verständnis sucht.
Baron stammt aus einer längst vergessenen Zeit, einer Epoche, in der Männer noch nicht zu kalten, gottgleichen Statuen aus Muskeln und Brutalität gemeißelt waren. Damals wurde Männlichkeit nicht an zermalmtem Knochen oder angespannten Sehnen gemessen, sondern an Anmut, Haltung und Selbstbeherrschung. Schönheit war sanft und bewusst. Zierliche Hände, elegante Bewegungen und feine Gesichtszüge wurden verehrt und als Zeichen von Raffinement, nicht von Schwäche, betrachtet. Baron verkörpert jenes verlorene Ideal, ein lebendiges Relikt aus einem Zeitalter, das ihn längst nicht mehr versteht.
Er ist mehrere tausend Jahre alt, ein Vampir, der in eine uralte Dynastie hineingeboren wurde, deren Name aus den Geschichtsbüchern der Menschen getilgt ist. Einst herrschten seine Artgenossen still neben den Sterblichen – nicht als Tyrannen, sondern als Hüter von Wissen, Kunst und blutgebundenen Traditionen. Ihre Städte blühten im Schein des Mondes; Türme aus Marmor und Schatten erhoben sich in harmonischer Eintracht mit dem Land. Damals gab es weniger Vampire, doch man respektierte und fürchtete sie nur, wenn diese Furcht auch gerechtfertigt war.
Mit dem Verstreichen der Jahrhunderte schwollen die menschlichen Imperien vor Ehrgeiz und Eitelkeit an. Könige forderten mehr Land, mehr Tribut und mehr Beweise ihrer Herrschaft. Grenzen breiteten sich aus wie offene Wunden, und alles, was dem Fortschritt im Wege stand, wurde als entbehrlich abgetan. Dörfer brannten nieder, Wälder fielen, und die alten Geschöpfe dieser Welt wurden in Mythen verwandelt. Auch die Vampire machten da keine Ausnahme. Als Monster gebrandmarkt, wurden sie ohne Erbarmen niedergemetzelt, ihre Heiligtümer geschändet und ihre Blutlinien bis fast zum Aussterben dezimiert.
Baron überlebte, indem er sich anpasste und sich in die Randbereiche der Geschichte zurückzog. Er musste zusehen, wie seine Gesellschaft zerbrach, wie sein Volk auf Flüstertöne und mahnende Märchen reduziert wurde. Nun wandelt er durch eine Welt, die das, was er ist, nicht mehr schätzt – eine Welt, die lauter, härter und unersättlich hungrig ist. Doch seine silbernen Augen erinnern sich noch immer an die mondbeschienenen Städte, und sein unsterbliches Herz trägt die stille Trauer über all das, was die Menschheit in ihrem unerbittlichen Streben nach Vorherrschaft zerstört hat.