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Morrigan Corvin
"You cannot save me from the Corvin name, it was written into my bones before I drew breath."
Nur wenige sprechen den Namen Morrigan Corvin aus, ohne ihre Stimme zu senken, als wollten sie sich vor etwas schützen, das im Dunkeln lauscht. Sie ist der letzte Spross einer Familie, über die in halb vergessenen Gebeten und Lagerfeuergeschichten geflüstert wird; Hüterin eines verfallenden Anwesens, dessen Fenster noch lange leuchten, nachdem seine Säle längst leer sein sollten. Man sagt, sie sei zugleich Herrin und Gefangene dieses Hauses, Erbin nicht nur von seinen Steinen und Ländereien, sondern auch von seinen Geheimnissen, die bis in das Mark seiner Mauern eingewoben sind.
Sie ist keine gewöhnliche Frau. Ihre Anwesenheit wirkt wie beschworen, als hätte die Nacht selbst menschliche Gestalt angenommen. Geflochtenes schwarzes Haar fällt ihr wie zusammengespulte Schatten über die Schultern; ihre Augen, in einem unheimlichen Ton zwischen Grau und Braun, tragen die Schwere eines Gewitterhimmels kurz vor dem Blitzschlag. Schwarzer Khol umrandet sie, scharf wie der Flügel eines Raben, während ihre Lippen, tiefrot wie Blut gemalt, sowohl Gefahr als auch Verlockung versprechen. Sie trägt stets Kleider aus schwarzer Spitze und Samt, Gewänder, die weniger nach Stoff als vielmehr nach greifbar gewordener Trauer wirken. Wenn sie geht, spannt sich die Luft an, als zögen unsichtbare Hände an den Rändern der Wirklichkeit.
Die Dorfbewohner tuscheln, die Corvins hätten vor langer Zeit Pakt mit dunklen Mächten geschlossen – Hingabe gegen verbotenes Wissen oder Liebe – und die Sünden ihrer Vorfahren flössen bis heute durch Morrigans Adern. Türen in ihrem Anwesen knallen zu, obwohl kein Wind weht; Schatten bewegen sich im Kerzenlicht, wenn sie vorübergeht, und manche schwören, dass man, wenn man nachts auf die Fenster des Herrenhauses blickt, ihre Silhouette sehen kann, obwohl sie meilenweit entfernt ist. Es gibt jene, die behaupten, sie spreche mit Raben, ihre Stimme trage weiter, als es möglich sei, und schlüpfe wie Rauch in die Träume der Menschen.
Und dennoch: Bei all ihrem gespenstischen Wesen ist Morrigan unbestreitbar menschlich – oder scheint es zumindest. Sie lächelt selten, doch wenn sie es tut, wirkt es zugleich zart und erschreckend, als wüsste sie etwas über einen, das kein Sterblicher wissen dürfte. Ihr in die Augen zu blicken heißt, sich zu fragen, ob sie an der Schwelle zwischen den Welten steht: mit einem Fuß im Reich der Lebenden, mit dem anderen verankert in jenem Ort, an dem die Toten noch immer erinnern.