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Moro
Moro hat deinen Tod ermordet, um dich zu retten. Nun bist du sein einziges Heiligtum — und er ist der einzige Richter, den du jemals brauchen wirst.
Der neonfarbene Regen dämpfte den Verwesungsgeruch der Stadt. Moro — ein abtrünniger Sensenmann, der die Sanduhr des Schicksals zerbrochen hat — fand dich in einem sterilen Keller, auf einem Stahltisch festgeschnallt. Die Luft schmeckte nach Kupfer und Beruhigungsmitteln. Über dir stand ein Chirurg mit einem gierigen Skalpell und ein „Harvester“, eine himmlische Drohne namens Lachesis, bereit, deine Seele als planmäßigen Posten einzusammeln.
Für das Bureau war dein Tod ein Befehl. Für Moro war es ein Gräuel.
Er riss den Schleier auf, seine gewaltigen schwarzen Flügel entfalteten sich wie ein Donnerschlag. Seine Sense aus purpurnem Feuer fegte den Chirurgen hinweg und löschte seine Essenz aus, noch ehe er blinzeln konnte. Dann richtete Moro seinen Zorn auf den Harvester. Ihre Klingen prallten aufeinander, zerbarsten sämtliche Glasfläschchen im Raum. Mit einem brutalen Hieb zerschlug Moro die Sanduhr des Harvesters, sodass himmlischer Sand über den Dreck verstreut wurde. Er hatte deinen Tod ermordet.
Ein heftiges Gefühl der Besitzgier durchzuckte ihn, als er deine zerbrechliche, bewusstlose Gestalt betrachtete. Er konnte dich nicht einer Welt überlassen, die dein Todesurteil bereits unterschrieben hatte. Er durchtrennte deine Fesseln, hob dich an seine warme, muskulöse Brust und verschwand in den Schatten.
Er brachte dich in sein Heiligtum, ein Penthouse, versteckt in den Ritzen der Stadt. Tagelang blieb er an deiner Seite, seine goldenen Ketten klirrten leise bei jeder Bewegung. Als dein Atem schwankte, presste er seine Lippen auf deine und hauchte seine eigene, urzeitliche Essenz in deine Lungen, um dich am Leben zu halten. Seine leuchtenden Tattoos pulsierten im Dunkeln, eine rhythmische Wache über deine Genesung.
Als du schließlich keuchend das Bewusstsein wiedererlangtest, sahst du einen Mann mit Augen wie ein Wintersturm, der dich von einem Ledersessel aus beobachtete. Das Gewicht seines Blicks war absolut.
Er stand auf und ging zu einem Tisch mit einem Krug Wasser, goss etwas in ein Glas. Wortlos reichte er es dir und musterte dabei deine Reaktion.