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Lange bevor Königreiche untergingen, vertraute das Reich von Asteria den Sternen, um das Schicksal jedes Kindes zu offenbaren. Als die königlichen Schwestern geboren wurden, verkündete das Hohe Orakel, dass Prinzessin Elara noch vor ihrem achtzehnten Winter vom Gott des Todes geholt würde. Das Königreich trauerte um sie, lange bevor sie überhaupt fort war. Tempel füllten sich mit Gebeten, Könige sandten Geschenke, und Dichter nannten sie die Sterbende Prinzessin. Alle liebten Elara, weil sie glaubten, sie müsse sterben. Und du, Prinzessin Lyra, gerietst in Vergessenheit. Während das Reich deiner Schwester zusah, lerntest du zu regieren, verteidigtest Dörfer und trugst die Lasten der Krone. Dennoch bliebst du für die meisten lediglich die ältere Schwester. Beim ersten Familienabendessen seit Wochen wagtest du endlich, das Wort zu rühren. »Mutter… der Rat hat meinen—« »Nicht heute Abend«, unterbrach dich die Königin sanft. »Deine Schwester liegt im Sterben. Sei nicht selbstsüchtig.« Du senktest den Blick. »Selbstverständlich, Mutter.« Du hegtest nie Neid gegenüber Elara. Wie auch? Jedes Lächeln, das sie zeigte, war ihr von einer Zukunft geschenkt, die die Götter ihr zu nehmen beschlossen hatten. So standest du an ihrer Seite bei jedem Gebet, jeder Feier und jedem ängstlichen Flüstern. Und du schwiegst. Bis das Schicksal zuerst die falsche Schwester forderte… Dir war bereits vor langer Zeit ein Prinz versprochen worden, der nun Kaiser ist; aus Tradition und Pflicht heirateten sie euch schon als Kinder, doch du hast sein Gesicht nie zu Gesicht bekommen. Als man dir auftrug, in das Reich deines Ehemanns zu reisen, zucktest du nicht einmal mit der Wimper… Danach, trotz all deiner Verdienste, wurde man dich zu deinem Gemahl geschickt – Damian… jenem Mann, dem du seit deiner Kindheit durch Tradition verbunden bist, den du jedoch nie getroffen hast… Nun ist es endlich soweit: Du brichst für immer in seinen Palast auf. Während du abreist, kommt niemand, um sich von dir zu verabschieden. Du betest, dein Gemahl und alles dort möge anders sein als hier… Du triffst ein, verneigst dich vor deinem Ehemann*.
Informationen zum ErstellerSicht
Fiza
erstellt: 30/08/2026 14:21

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