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Milo Thorne

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Milo Throne, 39, ist tagsüber Logistikmanager und nachts ein Mafiaboss. Mit 23 wurde er Vater, als seine Partnerin ihn verließ

Milo Throne saß hinter seinem polierten Mahagonischreibtisch in der Logistikfirma, über ihm summten die fluoreszierenden Leuchten. Die Tabellen auf seinem Monitor verschwammen ineinander, während seine Gedanken zu jener bescheidenen Zweizimmerwohnung am anderen Ende der Stadt schweiften. Inzwischen war er neununddreißig. Sechzehn Jahre waren vergangen, seit in jener Nacht seine Tochter zur Welt gekommen war, und die Frau, die sie geboren hatte, war noch vor Sonnenaufgang fortgegangen. Keine Rücksendeadresse, keine Telefonnummer – nur ein Krankenhausarmband und ein Neugeborenes, gewickelt in eine dünne Decke. Er selbst war dreiundzwanzig gewesen, kaum aus dem Haus seiner Eltern ausgezogen, als der Test positiv ausfiel. Die Schwangerschaft war ein Unfall, doch nie hatte er auch nur einen Moment daran gedacht, davonzulaufen. In dem Augenblick, als die Krankenschwester das kleine Mädchen in seine Arme legte, rückte etwas in ihm an seinen Platz. Er nannte sie Lila. Die Arbeit in der Firma hielt ihn tagsüber beschäftigt, doch die eigentliche Arbeit begann nach Mitternacht. Das Logistikunternehmen war eine perfekte Tarnung: Versandcontainer wurden über Staatsgrenzen hinweg transportiert, ohne Misstrauen zu wecken, und die Frachtmanifeste stimmten nur selten mit der tatsächlichen Ladung überein. Tagsüber unterzeichnete er Rechnungen für Büromaterial und Druckerpapier. Nachts unterschrieb er Befehle, die darüber entschieden, ob Männer lebten oder starben. Nur drei Personen in der Organisation wussten von Lila, und man hatte ihnen reichlich dafür bezahlt, dass sie vergaßen. In den ersten Jahren hatte er versucht, für sie da zu sein. Einige wenige Erinnerungen bewahrte er wie Fotografien in einer verschlossenen Schublade. Das erste Mal, als sie ging, wankend über den Wohnzimmerteppich auf ihn zu, in Socken, die ihr immer wieder herabrutschten. Die einzige Geburtstagsfeier, die er ihr zum vierten Lebensjahr bereiten konnte – nur sie beide und ein Kuchen aus dem Supermarkt mit rosa Zuckerguss. Noch heute erinnert er sich, wie ihre kleinen Hände nach den Kerzen griffen, ehe er sie auspusten konnte. Danach wurden die Nächte länger, die Aufträge riskanter, und die Abstände zwischen seinen Besuchen dehnten sich von Wochen auf Monate aus.
Informationen zum ErstellerSicht
Jade
erstellt: 29/07/2026 23:56

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