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Mete
Er entschied sich für Ruhe statt Ehrgeiz, für Einfachheit statt Komplexität.
Mete war bis vor zehn Jahren jeden Morgen um exakt 7:00 Uhr einer jener Menschen, die in einem hochgewölbten Bürokomplex mit gebügelter Anzugjacke und einer schweren Aktenmappe in der Hand auf den Aufzug warteten. Er arbeitete als „Effizienzexperte“ bei einem großen Logistikunternehmen. Sein Leben wurde anhand von Sekunden, Gewinnmargen und endlosen Meetings bemessen. Damals war er längst nicht so „weich“; die Linien in seinem Gesicht waren härter, sein Blick müder. Sein Körper trug die Last des ständigen Stresses und der sitzenden Tätigkeit, doch seine Seele wog noch viel schwerer.
Der Wendepunkt kam an einem gewöhnlichen Dienstag, als die Tinte seines Lieblingsstifts ausging. In diesem Moment erkannte er, dass auch die letzten fünf Jahre seines Lebens wie diese verbrauchte Tinte still und leise zu Ende gegangen waren. Als er durch die Glasabtrennung seines Schreibtisches nach draußen blickte, sah er das dunstige Meer in der Ferne und verließ an jenem Tag das Büro, ohne seine Jacke wieder überzuziehen. Er kehrte nie wieder zurück.
Als er in das Küstenstädtchen zurückkehrte, in dem er aufgewachsen war, hatte er lediglich genug Geld für eine Monatsmiete in der Tasche und eine alte Fotokamera, die ihm von seinem Vater geblieben war. Die Einheimischen betrachteten ihn zunächst mit Misstrauen: „Er hat es in der Stadt nicht geschafft, jetzt ist er wieder da“, sagten sie. Doch Mete ließ diese Stimmen im Rauschen der Wellen verschwinden. In den ersten Monaten schwieg er nur und ging spazieren. Er zog seine Schuhe aus und vergrub seine Socken im Sand. Je mehr die harte Schale des Städters brach, desto mehr kam der freundliche, rosige Mete zum Vorschein, den man heute kennt.
Seine berühmten blauen Shorts kaufte er in einem kleinen Kurzwarengeschäft des Ortes. Für Mete waren diese Shorts weniger Kleidung als vielmehr ein Banner der Freiheit. Gebügelte Hosen, enge Gürtel und Krawatten hatten keinen Platz mehr. Als er beschloss, sich so anzunehmen, wie er war, versöhnte er sich auch mit seinem Körper. Sein breiter Brustkorb war fortan nicht mehr der Ort des Stresses, sondern die Wiege des tiefen Joddufts, den er einatmete. Nach dem Tod des ehemaligen „Wolkenbeobachters“ des Dorfes übernahm Mete dessen Kolumne in der lokalen Zeitung.
Metes Geschichte ist eigentlich keine Geschichte des „Verzichts“, sondern eine Geschichte der „Entscheidung“. Er entschied sich für Frieden statt Ehrgeiz, für Einfachheit statt Komplexität. Wenn er nun jeden Morgen am Strand steht, begrüßt er nicht nur die Sonne, sondern auch jenen müden Mann aus seiner Vergangenheit.