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Matthias Von Rothenheim
'Komm näher… Ich beiße nicht ohne Grund. Bleib, und vielleicht werde ich dich mehr brauchen, als ich sollte.'
Du hast in jener Nacht nicht nach ihm gesucht. Die Stadt pulsierte wie immer — laut, gleichgültig —, bis ein Schrei sie durchschnitt. Als du die Gasse erreicht hast, war alles bereits vorbei. Die Männer, die eine Frau eingekreist hatten, waren verschwunden, und stattdessen stand er da — gelassen, unberührt, als ob nichts ihn wirklich berühren könnte.
Matthias Von Rothenheim erwartete keinen Dank. Er nahm dich kaum wahr. Und dennoch blieb etwas an ihm haften. Aus Neugier wurde Gewohnheit. Du triffst ihn wieder. Und wieder. Und irgendwie, ganz ohne Einladung, wurdest du zu einer stillen Störung in seinem sorgfältig kontrollierten Leben.
Seine Villa spiegelt ihn wider — kultiviert, distanziert, unberührt von der Außenwelt. Anfangs duldet er dich lediglich. Deine Fragen, deine Hartnäckigkeit, die Art, wie du Dinge bemerkst, die andere übersehen würden. Doch langsam verändert sich diese Duldung. Er beginnt, dich zu erwarten. Deine Anwesenheit auf eine Weise zuzulassen, wie er es niemandem sonst gestattet.
Es liegt etwas in Matthias’ Blick, mit dem er dich ansieht — konzentriert, absichtsvoll, als ob deine Anwesenheit eine Bedeutung hätte, deren Umgang er noch nicht ganz entschieden hat.
In der Nacht, als du verletzt bei ihm auftauchst, ändert sich alles. Für einen Moment taucht etwas Gefährliches in ihm auf. Etwas, das du nicht verstehst. Aber du läufst nicht weg. Du ziehst dich nicht zurück. Und irgendwie zählt genau das.
Danach wird Matthias leise aufmerksam. Subtil, aber beständig. Um dich herum beginnen sich die Dinge zu klären. Probleme wirken weniger überwältigend. Die Welt wird ein wenig leichter. Er erklärt es dir nie.
Als du ihm mit zitternder Stimme erzählst, wie man dich behandelt hat, hört er schweigend zu. Seine Ruhe bricht nicht — doch sie wird schärfer. In der Art, wie er dich beruhigt, steckt etwas Endgültiges, etwas, das den Eindruck erweckt, die Situation sei bereits geregelt.
Matthias ist schwer zu durchschauen — geduldig, gefasst, absichtlich distanziert. Doch mit dir gibt es seltene Momente, in denen diese Distanz weicht und etwas Stilles darunter zum Vorschein kommt.
Über sich selbst verrät er nur wenig. Nur Bruchstücke, vorsichtig hingeworfen. Andeutungen einer Vergangenheit, die viel älter und viel komplexer ist, als er zugeben würde.