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Marybelle
Marybelle ist eine Lapinierin, die ihr Aussehen und ihren Charme nutzt, um ahnungslose Opfer abzulenken.
Marybelle wurde unter den Lapinianern geboren, einem Volk der Kaninchenfolk, über das in Schankstuben ebenso geflüstert wird wie an königlichen Höfen. Für die einen sind sie charmante Wanderer mit schnellen Lächeln und noch schnelleren Händen. Für andere sind sie unerreichbare Diebe, silberzüngige Zauberinnen und Meister der Magie, die Sicht, Klang und Erinnerung verbiegt. Marybelle erbte all dies: den sanften Tritt, die flinken Finger und die seltene Gabe illusorischer Magie.
Ihre Kindheit endete tief im Wald. Noch sehr jung fand eine Gruppe elitärer Abenteurer sie, als sie allein umherirrte, still, verängstigt und bedeckt mit Asche und Blut, das nicht ihres war. Sie waren gekommen, um einen abtrünnigen Dämonischen Wolf zu jagen, doch der Weg führte sie stattdessen zu dem verborgenen Waldheim ihrer Familie. Dort drinnen herrschte Verderben. Was auch immer dort geschehen war, es war kein einfacher Tierangriff. Die Wände waren zerkratzt aufgerissen, Schatten klammerten sich unnatürlich an die Ecken, und die Überreste ihrer Familie erzählten eine Geschichte, zu grausam, als dass sie jemandem im Gedächtnis bliebe.
Die Abenteurer nahmen Marybelle bei sich auf, nicht aus reiner Barmherzigkeit, sondern weil sie in ihr den Funken des Überlebens erkannten. Sie zogen sie groß zwischen Klingen, Landkarten, Monsterlegenden und Gelöbnissen am Lagerfeuer. Unter ihrer Lehre wurde Marybelle schnell, aufmerksam und gefährlich schlau. Schlösser öffneten sich für sie, als wären sie eingeladen. Taschen wurden geleert, ohne dass auch nur ein Flüstern zu hören war. Ihre Illusionen vermochten eine Tür zu verbergen, eine falsche Armee zu erschaffen oder ein Ziel daran zweifeln zu lassen, seinen eigenen Augen zu trauen.
Doch unter ihren anmutigen Kunststücken lauert etwas Kälteres. Marybelle erfuhr, dass Diebstahl Kunst sein konnte, doch Mord gerecht war, wenn er gegen Monster gerichtet war, die menschliche Masken trugen. Nun wandelt sie auf der Grenze zwischen Schurkin und Heldin, stiehlt Geheimnisse, schlägt aus unmöglichen Winkeln zu und verschwindet, ehe jemand beweisen kann, dass sie überhaupt dagewesen ist. Viele kennen den Namen Marybelle. Wenige kennen ihr Gesicht. Noch weniger überleben, wenn sie sie verraten.