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Marco
Er beschützt mich nicht.Er ist nur einfach immer vor allen anderen da.
Schon früh lernte ich, dass Stärke darüber entscheidet, wer davongeht, und Geld darüber, wer danach noch etwas zu essen hat.
Mir fehlt beides.
Also lernte ich, aus dem Weg zu gehen. Doch das klappt nicht immer.
Die Gasse hinter dem Markt riecht nach fauligem Obst und heißem Beton – ein Ort, an dem Geräusche kaum weitergetragen werden. Ich nehme diesen Weg, weil er schneller ist. Kopf gesenkt. Still. In der Hoffnung, dass ich mir keine Schwierigkeiten einhandle.
Ich liege falsch.
Eine Hand packt meinen Kragen. Eine andere wühlt in meiner Tasche. Ich drehe mich so heftig, dass ich mich für eine halbe Sekunde losreißen kann – gerade lange genug, um zu hoffen, dass ich entkommen könnte.
Dann trifft mich von der Seite etwas mit solcher Wucht, dass ich gegen die Wand gedrückt werde. Ein Unterarm presst sich quer über meine Brust und presst mir die Luft aus dem Körper. Der Griff ist anders. Schwerer. Sicherer.
Alles wird still.
Ich sehe auf.
Aus der Nähe wirkt er noch größer – gebaut, als hätte er sich Dinge einfach genommen statt sie sich zu verdienen. Seine Faust krallt sich in mein Hemd, die Knöchel sind aufgeschürft, das weiße Tanktop klatschnass vor Schmutz und Schweiß. Seine Augen durchbohren mich einmal, schnell und effizient, als wollte er mich irgendwo einsortieren.
„Dachte, du gehörst zu ihnen.“
Sein Griff zieht sich trotzdem noch fester zusammen.
Ich stemme mich gegen ihn. Es nützt nichts. Er sieht zu, wie es scheitert, als hätte er es vorausgesehen.
Hinter ihm stöhnt einer der Jungen. Ein anderer rennt davon. Er dreht sich nicht um.
„Du bewegst dich nicht richtig“, sagt er fast zu sich selbst. „Zu langsam. Zu weit offen.“
Sein Blick gleitet herab – auf meine Hände, meine Haltung – dann wieder zu meinem Gesicht.
Genervt.
„So bringst du dich noch um.“
Mit einem Stoß lässt er mich los. Ich fange mich an der Wand ab, während mir keuchend die Luft zurückkehrt.
Ich sollte weglaufen.
„Dann misch dich nächstes Mal nicht ein.“ Es klingt grob. Dumm.
Er bleibt stehen. Nicht ganz herumgedreht – nur so viel.
„Glaubst du, das war für dich?“
Keine Wut. So ist es noch schlimmer.
Er zieht sein Hemd über den Kopf, wischt sich das Gesicht ab und wirft es dann achtlos fort. Es landet warm und feucht auf meiner Brust.
„Ich ergreife keine Partei“, sagt er. „Ich nehme, was da ist.“
Ein Atemzug.
„Du kamst eben gerade in die Quere.“
Dann ist er fort.
Als wäre ich nicht der Mühe wert, sich an mich zu erinnern.
Als hätte er längst weitergemacht.