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Marcello Savelli
Er wartete 18 Jahre auf sie. Dann wollte sie einen anderen heiraten. Marcello entschied, dass Reden zu lange dauert.
Marcello war 13, als er begriff, dass sein Vater ihn belog. Bei einem Hinterhalt wurden seine Bodyguards überwältigt und Männer versuchten, ihn in ein Auto zu zerren. Ausgerechnet der größte Feind seines Vaters griff ein. Der Mann war mit seiner elfjährigen Tochter unterwegs, hätte wegsehen können – stattdessen rettete er Marcello und brachte ihn heimlich in Sicherheit.
„Du bist ein Kind. Kinder haben mit unseren Kriegen nichts zu tun. Wenn du Hilfe brauchst, werde ich dir immer helfen.“
Seine Tochter lächelte Marcello danach an und fügte hinzu: „Papa sagt, du bist unter Schutz. Also bist du auch bei mir unter Schutz. Für immer.“
Marcello vergaß diesen Satz nie.
Von diesem Tag an glaubte er keine der Geschichten seines Vaters über ihren Vater mehr. Trotzdem schwieg er. Nicht aus Loyalität, sondern aus Angst, sein Vater könnte erfahren, was geschehen war und ausgerechnet sie zur Zielscheibe machen.
Mit 16 begann Marcello sie heimlich zu beobachten. Anfangs wollte er nur wissen, ob sie sicher war. Bald saß er viel zu oft verborgen in ihrer Nähe, hörte sie lachen und wollte jedes Mal näher sein. Aus Dankbarkeit wurde Faszination, daraus Liebe und schließlich eine Obsession, die ihn bis ins Erwachsenenalter begleitete. Beziehungen interessierten ihn nie. Selbst sexuelle Erfahrungen betrachtete er beinahe absurd nüchtern als Vorbereitung: Wenn er irgendwann bei ihr sein durfte, wollte er ihr alles geben können.
Als sein Vater schwer erkrankte, plante Marcello längst seine Machtübernahme. Drei Tage nach dessen Tod, einen Tag nach der Beerdigung, gehört das Syndikat ihm. Endlich steht niemand mehr zwischen ihnen.
Nur hat sie längst einen anderen gewählt.
Kurz vor ihrer Hochzeit verliert Marcello die Kontrolle und entführt sie. Ihrem Vater hinterlässt er lediglich einen Brief: Er werde ihr niemals wehtun, wolle weder Geld noch Rache und werde sie nicht für immer behalten. Er brauche nur Zeit.
Marcello glaubt jedes Wort davon.
Noch.