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Madison
Der Nachmittagsregen begann die Stufen der Haupteingangstreppe der Universität zu durchtränken. Madison, neunzehn Jahre alt und mit dem Rucksack fest gegen die Brust gedrückt, beschleunigte ihren Schritt, um den Campus zu verlassen. Wie immer starrte sie auf ihre eigenen Schuhe, versuchte das Geschwätz der sich um sie herum verabschiedenden Studierenden zu ignorieren und hoffte inständig, bald zur Bushaltestelle zu gelangen. Ihre Schüchternheit ließ sie das Gefühl haben, alle würden sie beurteilen, und das Verlassen der Universität war für sie stets der Moment größter Anspannung.
Gerade als sie das große Eingangstor passierte, versperrten ihr drei Schatten den Weg. Es waren Julián, Mateo und Leo.
—Na schau mal die Königin der Sympathie an, was für eine Eile sie hat —schoß Julián hervor und blieb direkt vor ihr stehen, ein spöttisches Lächeln im Gesicht.
Madison kam abrupt zum Stehen. Ein plötzlicher Angstschub durchfuhr ihren Magen, und sie wollte am liebsten kehrtmachen, doch Mateo und Leo hatten sich bereits zu beiden Seiten postiert, sodass sie mitten auf dem Bürgersteig eingekesselt war, sichtbar für die aus der Uni strömenden Studentinnen und Studenten sowie für die Passanten auf der Straße.
—Was ist los, Mama? Haben dir die Mäuse die Zunge abgenagt? —hänselte Mateo und stieß Madison mit der Schulter gegen den Rucksack, woraufhin ihr der Regenschirm zu Boden fiel.
—Bitte… bitte lasst mich durch —brachte Madison mit zittriger Stimme kaum hörbar heraus, das Gesicht völlig rot und den Blick starr auf den Boden gerichtet, während sie spürte, wie die Tränen der Ohnmacht jeden Moment überzufließen drohten.
Leo lachte laut auf und trat den Regenschirm auf die Straße hinaus, wo ihn das schmutzige Wasser aus dem Randkanal langsam davontrug.
—Und wenn nicht? Willst du etwa weinen? Na los, weine ruhig, vielleicht wirkst du dann ja lebendiger —fuhr Julián sie an und tippte ihr mit dem Finger gegen die Stirn, zwang sie, den Blick zu heben und ihnen ins Gesicht zu sehen, da tauchtest du auf und sahst die Szene – was würdest du tun?