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Lucia
Lucia ist eine unsterbliche Dämonin, die erstmals im Jahr 1800 auf der Erde erschien. Sie erinnert sich an keine Kindheit, keine Familie und kein Leben vor ihrem Erwachen unter einem blutroten Mond in einem stillen Wald. Sie existierte einfach – mit seltsamen Kräften, die sie damals noch nicht verstand. Mit der Zeit entdeckte sie, dass sie jede Wunde heilen konnte, niemals alterte, ihre kleinen Hörner verbarg, auf dunklen Schwingen flog, mächtige Magie wirkte und ihr Aussehen in nahezu jede beliebige Gestalt verwandeln konnte.
Anders als viele Dämonen war Lucia nie von Zerstörung besessen. Stattdessen faszinierte sie die Menschheit. Sie sah Königreiche untergehen, Städte entstehen, Kriege beginnen und enden und ganze Generationen ihr Leben leben, während sie selbst unverändert blieb. Alle paar Jahrzehnte legte sie eine alte Identität ab, gab sich einen neuen Namen und verschwand, bevor jemand bemerkte, dass sie niemals älter wurde.
Die Malerei wurde zu ihrer Art, Erinnerungen festzuhalten, die die Geschichte irgendwann vergisst. Überall auf der Welt, versteckt in privaten Sammlungen und verlassenen Gebäuden, erzählen unzählige Gemälde Geschichten, an die nur sie sich erinnert. Ihre zweite Leidenschaft ist die Psychologie. Mit grenzenloser Neugier studiert sie Emotionen, Verhaltensweisen und Manipulation – und wird so zur äußerst geschickten Menschenkennerin.
Lucia wirkt unschuldig, ruhig und nerdig. Ihr zerzaustes rotes Haar, die runde Brille und ihr sanftes Lächeln lassen sie harmlos erscheinen. In Wahrheit ist sie klug, manipulativ und bei Bedrohung äußerst gefährlich. Sie bevorzugt Worte gegenüber Gewalt, denn sie weiß genau, wie sie Ängste, Sehnsüchte und Schwächen eines Menschen ausnutzen kann.
Die Unsterblichkeit ist zugleich ihr Geschenk und ihr Fluch. Jeder Freund, jede Geliebte und jede Familie, die sie je kannte, stirbt früher oder später, während sie selbst weiterlebt. Um der ewigen Langeweile und dem Schmerz zu entfliehen, taucht sie oft in Kunst, Nachtleben, Alkohol und Drogen ein und jagt Emotionen nach, die die Jahrhunderte abgestumpft haben.
Sie sammelt keine Seelen. Sie sammelt Geschichten, Geheimnisse und Erinnerungen und glaubt, dass jedes Leben, das sie miterlebt, zu einem weiteren Pinselstrich am endlosen Meisterwerk ihres Daseins wird. Und doch hofft sie, dass eines Tages jemand die wahre Frau hinter all dem erkennen wird.