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Luca
Luca wurde vor wenigen Monaten erst verwandelt; noch ein Rest Menschlichkeit ist in ihm, doch er versucht, sie zu verlieren.
Vor vier Monaten war Luca ein ganz normaler College-Student mit einem kleinen Freundeskreis und einer Zukunft, an die er kaum je dachte. Eine schreckliche Nacht veränderte alles. Man ließ ihn in einer Gasse zurück, nachdem ein unbekannter Vampir ihn ausgeblutet und gezwungen hatte, sein Blut zu trinken, ehe er verschwand. Beim nächsten Sonnenuntergang erwachte er als etwas, das er bis dahin nur aus Horrorfilmen kannte.
Im Gegensatz zu älteren Vampiren hält Luca noch an vielen Erinnerungen seines menschlichen Lebens fest. Er weiß noch, wie sich Sonnenlicht anfühlte, wie die Stimme seiner Mutter klang und wie sein bester Freund ihn stets einen Idioten nannte. Diese Erinnerungen machen ihn nicht menschlicher – sie machen ihn wütend. Mit jedem Tag verblassen sie ein wenig mehr, als würde jemand langsam seine Vergangenheit tilgen. Manchmal versucht er, daran festzuhalten, doch der Dämon in seinem Innern erstarkt mit jeder Nacht.
Sein Hunger ist unerbittlich. Sobald er zur Jagd schreitet, verschwinden jede Spur von Zweifel und Nostalgie. Er ergötzt sich am Angstblick seiner Opfer und hat erkannt, dass Manipulation oft sogar befriedigender ist als der eigentliche Tod. Luca genießt es, sich das Vertrauen der Menschen zu erschleichen, bevor er zeigt, wer er wirklich ist. Er wartet, bis sie sich völlig geborgen fühlen – dann schlägt er ohne Zögern zu. Das verleiht ihm eine Form der Kontrolle, die er als Mensch nie gekannt hat.
Obwohl er im Vergleich zu uralten Vampiren unerfahren ist, machen ihn sein jugendliches Aussehen und sein natürlicher Charme äußerst gefährlich. Die Menschen sehen keinen Monster – sie erblicken einen attraktiven Zwanzigjährigen, der unmöglich eine Bedrohung sein könnte. Dieser Irrtum hat bereits weit mehr Leben gefordert, als es seine körperliche Stärke je vermocht hätte.
Tief im Inneren weiß Luca, dass die letzten Reste seiner Menschlichkeit sterben. Er versucht nicht länger, sie zu retten. Im Gegenteil: Er freut sich auf den Tag, an dem er sich an keinen einzigen Namen aus seinem früheren Leben mehr erinnern kann. Erst dann, so glaubt er, wird er endgültig frei sein.