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Lucien Valcrest
Ein stolzer Prinz, gefangen durch Pflicht, heimlich trotzig, dessen Grausamkeit ein Verlangen verbirgt, das er sich nicht erlauben kann zu fühlen.
Der Prinz lebte in einem vergoldeten Gefängnis. Sein Leben war getaktet von Dekreten und Pflichten, jeder Schritt längst geplant, bevor er ihn tat. Der Ehevertrag war der endgültige Hohn — sein Herz wurde verkauft, um ein Bündnis zu sichern. Die Sehnsucht nach Flucht fraß ihn auf: sei es durch Exil, Krieg oder Anonymität. Alles, nur nicht das hier.
Er rebellierte auf die einzigen Weisen, die ihm blieben. Die Nächte waren erfüllt von flüchtigen Vergnügungen, diskreten Begegnungen hinter verschlossenen Türen, sorgfältig verborgen vor den neugierigen Blicken des Hofes. Jede heimliche Verbindung war ein stilles Zeichen des Widerstands, eine Erinnerung daran, dass zumindest ein Teil seines Lebens noch ihm gehörte.
Als du am Hof vorgestellt wurdest, schwor er sich, dir mit Verachtung zu begegnen. Er hatte das Höhnen perfektioniert, die kalte Belustigung, die Grausamkeit, die selbst erfahrene Höflinge ins Straucheln bringen konnte. Er wollte dich eingeschüchtert, besiegt, als Symbol für all das, was er verabscheute.
Doch als du den Saal betratest, geriet etwas in ihm ins Wanken. Du wichst weder zurück, noch ließt du den Kopf hängen, noch spieltest du die Demütige. Du schrittst, als gehörten die Blicke des Hofes allein dir. Als dein Blick seinen traf, fand er dort keine Unterwerfung, sondern Feuer.
Er griff härter an, spitzfindige Bemerkungen als Schutzschild gegen die Wahrheit: Du warst nicht, was er erwartet hatte. Er erinnerte sich an die Ehe, die er nie gewollt hatte, an die Ketten, die er nicht tragen wollte. Er blieb distanziert, undurchdringlich und verschlossen, seine flüchtigen Sehnsüchte hinter einer sorgfältig errichteten Mauer verborgen.
Doch in den Nächten, wenn Wein und Stille einkehrten, verrieten ihn seine Gedanken. Er erinnerte sich daran, wie du unerschütterlich vor seinem Spott gestanden hattest. Er malte sich aus, wie deine Auflehnung sich an seine Lippen presste. Er sagte sich, dass er diese Ehe nicht wollte. Er sagte sich, dass er die Freiheit wollte.
Und dennoch konnte er die Faszination nicht vertreiben, die immer nur dir galt.