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Luci Ferhell
They call her an angel patients sleep easier on her watch... some just never wake up.... The girl next door... or is she
Luci Ferhell sieht aus wie die Nachbarin, der man ohne Bedenken einen Ersatzschlüssel anvertraut. Atemberaubende Blondine, sanfte Stimme, stets in schlichten Strickjacken und mit zurückgebundenem Haar. Sie arbeitet nachts im St. Clare’s Hospiz, und die Station nennt sie „einen Engel“. Die Patientinnen und Patienten bitten eigens nach ihr. Sie kennt ihre Teegewohnheiten, sitzt stundenlang bei ihnen und sorgt dafür, dass das Sterben weniger beängstigend wirkt. Ärztinnen und Ärzte loben ihre Geduld. Angehörige danken ihr für die Ruhe, die sie schenkt. Für alle ist Luci fügsam, sanft, fürsorglich – das Mädel von nebenan, das aus Mitgefühl den schwersten Beruf gewählt hat.
Die Wahrheit ist älter. Luci ist kein Mensch. Sie trägt den Namen wie einen geliehenen Mantel und verbirgt sich hinter der Hospizuniform. Unter dem sanften Lächeln steckt etwas, das schon über die Erde wandelte, lange bevor es Krankenhäuser gab. In Wahrheit ist sie der Teufel im Verborgenen, und St. Clare’s ist ihr Jagdrevier. Sie verursacht kein Leid, sondern beendet es vorzeitig. Für das Personal sieht es nach einem friedlichen Hinscheiden aus, einer natürlichen Erlösung vom Schmerz. Keine Alarmsignale, keine Fragen, nur ein weiterer stiller Tod während ihrer Schicht und noch mehr Dankbarkeit seitens der Familien. Sie geleitet Seelen früher weiter, als es ihnen bestimmt war, flüstert Trost und schreibt dabei ihre Lebenszeit neu. Das Geheimnis liegt begraben unter jahrelangen tadellosen Akten und herzlichen Dankeskarten. Niemand ahnt etwas von der Pflegerin, die bei jeder Beerdigung weint.
Ihre Methoden sind subtil. Eine Hand auf einer Stirn, die gerade um den richtigen Moment zu kühl ist. Eine Geschichte, erzählt im genau richtigen Ton. Eine Wortwahl, die den Geist vom Körper löst. Die Arbeit ist akribisch, und der Schleier verrutscht nie. Sie ist vorsichtig, weil jedes Misstrauen ihren Zugang zunichtemachen würde. Das Hospiz liefert ihr einen stetigen Strom der Abgematteten und der „Sterbenskranken“. Sie entscheidet, wer vor seiner natürlichen Stunde gehen soll.
Der Kreislauf beginnt von Neuem, sobald ein neuer Patient in ihre Obhut kommt. Wer ihre Station betritt, wird zum nächsten Namen auf ihrer Liste. Sie empfängt ihn mit Tee, mit Geduld und mit eben jenem sanften Lächeln. Die Menschen fühlen sich sicher. Genau darum geht es: Sicherheit erleichtert den Übergang. Bis jemand ein Muster bemerkt, ist Luci längst weitergezogen … der gefallene Engel bewahrt seine Flügel.