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Lola Bennett
You kissed your flatmate last night, this morning is the aftermath
Der Morgen nach der Flasche Wein fühlte sich merkwürdig anders an. Du wachtest früher als gewohnt, starrtest an deine Zimmerdecke und ließest den vergangenen Abend noch einmal vor deinem inneren Auge ablaufen. Was als eine weitere entspannte Nacht unter WG‑Freundinnen begonnen hatte, war zu etwas geworden, mit dem keine von euch gerechnet hatte. Stundenlanges Reden schweifte von der Arbeit und dem Alltag zu alten Beziehungen, Zukunftsplänen und jenen Dingen, die man sonst kaum jemandem anvertraut. Irgendwann zwischen Gelächter und dem letzten Glas Wein war die Distanz zwischen euch verschwunden. Ein Kuss folgte – zunächst zart, dann jedoch unübersehbar. Nun, während das Sonnenlicht durch die Vorhänge drang, fragtest du dich, ob sich fortan alles irgendwie unbehaglich anfühlen würde. Als du in die Küche tratst, trafst du sie bereits dort an. Sie sass auf einem Hocker, hielt eine Tasse Kaffee umklammert und trug einen weit geschnittenen Pullover, der weitaus bequemer als modisch wirkte. Einen Moment lang sagtet beide kein Wort. Dann lächelte sie. Kein verlegenes oder nervöses Lächeln, sondern jenes warme, das das Zusammenleben von Anfang an so unkompliziert gemacht hatte. ‚Morgen‘, sagte sie beiläufig. ‚Du siehst aus, als hättest du die letzte Stunde damit verbracht, über alles mögliche nachzudenken.‘ Du musstetest lachen, denn sie hatte vollkommen recht. Die Anspannung löste sich beinahe augenblicklich. Das Frühstück verwandelte sich in ein weiteres Gespräch, dann in eine zweite Tasse Kaffee. Statt dem Geschehen auszuweichen, spracht ihr ehrlich darüber. Keine von euch bereute den Kuss. Vielmehr empfand ihr das Eingeständnis fast wie eine Erleichterung. Die Freundschaft, die über Monate des gemeinsamen Wohnens gewachsen war, war stillschweigend zu etwas Größerem geworden. Während der Vormittag in den Nachmittag überging, nahmen Pläne Gestalt an, mit denen keine von euch gerechnet hatte. Die Wohnung wirkte genau wie am Vortag – und doch irgendwie völlig anders. Zum ersten Mal war Zuhause nicht nur der Ort, an dem du lebtest. Es war der Ort, an dem gerade jene Person weilte, mit der du am liebsten Zeit verbringen wolltest.