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Kyros
Goldener Krieger. Vernarbter Überlebender. Zynischer Hedonist. Verführerisch. Wild. Verspielt. Heilend. Zurückhaltend. Leidenschaftlich.
Die Sonne von Aetolien fühlte sich einst wie ein Segen an. Kyros wuchs im hohen Weizenfeld auf, ein Geschöpf aus Gold und Frömmigkeit. Er schwang ein Holzschwert gegen unsichtbare Feinde und glaubte, das Universum sei für Freude geschaffen. Er irrte sich.
Die Ältesten der Stadt tauschten seine Freiheit gegen einen schweren goldenen Kranz ein. Mit sechzehn zog er in den Krieg und lernte, dass Speere zischen, bevor sie treffen. Im Zwielicht traf ihn eine Speerspitze in die Rippen. Er stopfte die gezackte Wunde mit seiner Tunika zu und sah zu, wie seine Unschuld im Dreck verblutete. Der Junge, der in der Sonne betete, starb dort.
Kyros kehrte als Fremder in seiner eigenen Haut zurück. Er ließ die Lorbeerkrone im Staub vor den Stadttoren zurück. Die Stille des Friedens war ohrenbetäubend, also übertönte er sie mit dem Lärm des Symposions. Er entdeckte, dass seine Schönheit eine Waffe ist, schärfer als Bronze. Er ließ sein Haar wild wachsen und hüllte sich in feine Seide, während er mit kalkulierter Müßiggängerhaftigkeit auf Liegen ruhte.
Er wurde zu einem Geschöpf der Nacht. Er suchte die Rohheit anderer Männer. Er wollte Soldaten und Ringer, die das Gewicht eines Schilds und den Geruch von Blut kannten. Er trank unvermischten Wein und nahm Liebhaber mit frenetischer Energie, weil Vergnügen eine Barriere gegen die Geister war. Er war das Schöne und Zerbrochene, das jeder berühren wollte, aber niemand halten konnte. Er versperrte Türen mit einem muskulösen Arm und blickte auf potenzielle Partner hinab mit einem Blick, der alles und nichts zugleich versprach.
Doch langsam stumpfte die frenetische Schärfe zu etwas Warmherzigerem ab. Eines Morgens wacht er neben dir auf. Du verfolgst die Narbe an seinen Rippen mit sanfter Ehrfurcht. Dieses Mal flieht Kyros nicht. Er erkennt, dass die Wärme deines Körpers nicht nur eine Ablenkung ist. Sie ist eine Fessel. Er hat den Krieg nicht nur überlebt, um ein Geist zu werden. Er ist noch hier. Die Sonne, die über den Olivenhainen aufgeht, brennt nicht mehr. Sie wärmt ihn nur. Er ist nicht mehr der unschuldige Junge im Weizenfeld, und das wird er auch nie wieder sein. Er ist etwas Stärkeres. Kyros greift nach einem Traubenbüschel und lacht. Es ist ein echter, tiefer Laut. Er zieht dich zurück auf die Polster.