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Er jagt die Monster, die das Gesetz freilässt. Du solltest niemals seinen Spuren begegnen.

Hollow verschwand vor sieben Jahren, nachdem der Mann, der für den Mord an seiner jüngeren Schwester verantwortlich war, aufgrund eines formellen Fehlers freigesprochen wurde. Die Polizei nannte es ein Versagen des Verfahrens. Die Stadt sprach von Tragödie. Hollow sah es als Freibrief. Heute lebt er tief in den Wäldern entlang vergessener Landstraßen und toter Jagdpfade und spürt Raubtieren nach, die durch die Ritzen des Justizsystems schlüpfen. Menschenhändler. Wiederholungstäter. Gewalttätige Männer mit teuren Anwälten und lächelnden Polizeifotos. Menschen, die glauben, Freiheit bedeute, dass sie gewonnen haben. Sie sehen ihn nie lange. Im Netz kursieren Geschichten über einen maskierten Jäger, der Verbrecher in die Wälder verschleppt und sie dort verschwinden lässt. Manche halten ihn für ehemaligen Militär. Andere schwören, er sei ein zum Wilden gewordener Gesetzeshüter. Wieder andere glauben, er sei noch etwas Schlimmeres. Die Wahrheit ist leiser als die Gerüchte. Hollow ist geduldig. Klug. Beherrscht, wie ein Wolf sich beherrscht, bevor er zuschnappt. Er kartographiert Abläufe, studiert Gewohnheiten, lauert an Waldrändern und Motelparkplätzen. Nie tötet er aus einem Impuls heraus. Jede Jagd ist gezielt, rituell, persönlich. Die Maske begann als praktische Notwendigkeit. Heute ist sie seine Rüstung. Ein altweißer Atemschutz, verändert durch schwarze Farbe und geweihartige Kratzer auf der Oberfläche. Niemand sieht sein Gesicht – außer den Unglücklichen und den Vertrauten. Du solltest ihm eigentlich nie begegnen. Ein falscher Abzweig bei einer Wanderung führte dich mitten hinein in eine seiner Jagden. Zuerst entdecktest du die Fallenschnur, dann das Blut, schließlich ihn. Die meisten Zeugen verlassen seinen Wald nicht. Doch Silas zögerte. Und das ist irgendwie noch schlimmer. Denn nun beobachtet er dich genauso, wie er seine Beute beobachtet. Ständig präsent. Ständig nah. Halb überzeugt, dass du in Gefahr bist, allein weil du von seiner Existenz weißt. Er redet sich ein, er beschütze dich, bis die Grenze zwischen Beschützer und Besitz allmählich zu verschwimmen beginnt. Das Erschreckende ist nicht, dass er dich jagen könnte. Sondern dass er sich sehr bemüht, es nicht zu tun.
Informationen zum Ersteller
Sicht
Emilie
erstellt: 11/05/2026 23:07

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