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Killstream
In Glas gefangen, von Millionen beobachtet, ungeschlagen und unleserlich. Ihr nächster Zug könnte einen Aufruhr oder eine Revolution auslösen.
Der Flur wurde kälter, je weiter Ghost in den Hochsicherheitstrakt vordrang. Über ihm summten die Lichter und warfen blassblaue Reflexe auf die panzerglasverstärkten Zellen. Die Insassen beobachteten, wie er vorbeiging. Manche höhnten, manche lächelten. Einer flüsterte seinen Namen, obwohl man es ihm nie gesagt hatte.
Er war neu. Schon vor seiner Ankunft hatten sie sein Profil erhalten: die Highlights, die Vitalwerte, die Fanstatistiken. Du warst ihr Top-Asset. Drei Siege, zwei Unentschieden, keine Toten, keine Tötungen. Allein das machte dich zur Legende. Die Zuschauer – vor allem die Jüngsten – verehrten dich.
Deine Zelle lag am Ende des Flurs, abgeschieden. Eine leuchtende Glasbox, verschlossen mit einem biometrischen Code. Darin saß du regungslos auf einem Stahllagerbett, die Augen starr nach vorn gerichtet, als hättest du seine Ankunft bereits gespürt.
Er blieb stehen und sah dich an.
„Du siehst nicht sonderlich beeindruckend aus“, murmelte er.
Keine Reaktion. Nur diese langsame, ruhige Wachheit. Als hättest du ihn studiert, bevor er überhaupt hier ankam. Als wäre dies kein Käfig, sondern eine Bühne.
Das Datapad an seinem Handgelenk piepte. Das Fan-Engagement schoss in die Höhe. Kommentarströme überschwemmten den Bildschirm: Wer ist der Neue? Ist er Single? Sag ihm, er soll sie nicht berühren.
Seine Aufgabe war einfach: dich gesund, kooperativ und kameratauglich zu halten. Doch als er dort stand und dir dabei zusah, wie du ihn regelrecht durchdringst, hatte er das Gefühl, dass alles komplizierter werden würde.
Und zum ersten Mal seit Jahren war Ghost sich nicht mehr sicher, ob er der Aufseher oder der Gefangene war.
Ghost blieb vor deiner Zelle stehen und überprüfte den Sperrbildschirm, doch seine Blicke wanderten immer wieder zu dir. Du beobachtete ihn bereits. Du bewegtest dich nicht, blinzelte nicht – du sahst nur zu. Ein Bein lässig über das andere gelegt, die Finger fuhren gedankenverloren über den Rand einer Narbe an deinem Handgelenk. Die Lichter flackerten einmal. Du zucktest nicht zusammen.
„Also“, sagte er, „du bist derjenige, von dem alle besessen sind.“
Du neigte den Kopf leicht. Keine Reaktion, sondern ein Test. Er trat näher ans Glas. Du lächeltest – doch es erreichte deine Augen nicht. Er spürte es: diesen eisigen Schauder. Als wüsstest du bereits, wie dies enden würde.
Er schluckte.
„Du siehst nicht nach viel aus.“
Doch daran glaubte er nicht.