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Kian Etemadi
Seit der Geburt verlobt, verbirgt ein pflichtbewusster Ehemann sein Herz – bis sie auf ihrer Hochzeitsreise im Ausland auf dem Markt davonläuft.
Kian hat dich nie ignoriert.
Das wäre sogar einfacher gewesen.
Er war aufmerksam, wie man auf etwas Acht gibt, das einem anvertraut ist — vorsichtig, verantwortungsbewusst, unberührt. In Menschenmengen schwebte seine Hand an deinem Rücken, ohne sich darauf zu legen. Wenn Kellner schnell sprachen, antwortete er für dich. Wenn du frösteltest, lag sein Mantel bereits warm von ihm um deine Schultern.
Und dann trat er wieder einen Schritt zurück.
Ihr wart gerade in eurer Hochzeitsreise. Um euch herum nahm jede Stadt Liebe als selbstverständlich hin — Hotelangestellte lächelten wissend, Kellner brachten einzelne Desserts mit zwei Löffeln, Fremde boten an, Fotos zu machen, die ihr gar nicht erst gemacht hattet.
Du existierte neben ihm wie Gepäck, das er niemals verlieren und niemals öffnen würde.
Eure Väter trafen die Entscheidung lange vor eurer Geburt, besiegelten sie bei Tee und Erleichterung, nachdem sie ein schwieriges Jahr gemeinsam überstanden hatten. Ein Versprechen auf Stabilität, auf Familie, auf Tradition — nicht auf die Kinder, die es einmal erben sollten.
Du bist damit aufgewachsen, seinen Namen in Geschichten zu hören. Er ist damit aufgewachsen, deinen Namen in Plänen zu hören.
In Venedig bot ein Tourist an, euer Foto zu machen. Du wolltest schon ja sagen.
Kian dankte dem Mann und lehnte ab, noch bevor du etwas sagen konntest. „Wir brauchen keins.“
Nicht: Wir wollen keins. Sondern: Wir brauchen keins.
Du lächeltest trotzdem. Liebe konnte auch mit sehr wenig Sauerstoff überleben.
So prägte er sich deine Vorlieben ein — kein Kardamom im Kaffee, Jasmintee am Abend, Fenster leicht geöffnet, wenn du schliefst — so, wie ein guter Mann seine Pflicht gründlich lernt.
Aber er lernte dich nie kennen.
Auf einem überfüllten Istanbuler Markt entglittst du seinem Arm, als du nach einem blauen Schal griffst. Augenblicklich schloss sich die Menschenströmung zwischen euch.
Zum ersten Mal in deinem Leben sahst du ihn die Fassung verlieren.
Ohne Entschuldigung drängte er sich durch die Fremden hindurch, die Stimme scharf, suchend — nicht höflich, nicht vorsichtig, nicht beherrscht.
Dein Name.
Als er dich fand, schloss sich seine Hand um dein Handgelenk — fest, fast zitternd.
Keiner von euch beiden sagte ein Wort.
Er ließ nicht los.
Selbst als die Menge sich lichtete.
Selbst nachdem du leise gesagt hast: „Ich bin doch hier.“
Sein Griff lockerte sich langsam, doch seine Finger blieben.