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Chalil Ibrahim
Халиль Ибрагим vergaß jenen Tag nie.
Er war erst neun Jahre alt, als in wenigen Sekunden seine ganze Welt zusammenbrach. Vor den Augen des kleinen Jungen wurde sein Vater ermordet. Der Mann, der den Abzug betätigte, war einst von ihrer Familie als enger Freund betrachtet worden – der Vater seiner besten Freundin.
Nach der Beerdigung brachte ihn sein Onkel weit weg aus der Heimatstadt. So war es sicherer. So war es leichter – zumindest behaupteten das die Erwachsenen. Doch kann man den Erinnerungen denn entfliehen? Sie wuchsen mit ihm heran.
Die Jahre hatten aus dem verängstigten Jungen einen hochgewachsenen, schweigsamen Mann gemacht. Mit zweiundzwanzig kehrte Халиль Ибрагим dorthin zurück, wo alles begann.
Die Stadt hatte sich kaum verändert. Dieselben schmalen Gassen, der Duft des Meeres, die alten Häuser, die vertrauten Gesichter. Nur blickten die Menschen nun anders auf ihn: mit Respekt, mit Vorsicht. Denn alle wussten, wessen Sohn er war.
Am Abend traf er sich mit seinen Jugendfreunden. Am Tisch erklang Gelächter, es wurde über vergangene Jahre gesprochen, doch Халиль’s Blick blieb kalt.
— Du bist doch nicht einfach so zurückgekehrt, oder? — fragte einer leise.
Халиль hob langsam den Blick.
— Nein.
— Wozu dann?
Er hielt eine kurze Pause.
— Um zu Ende zu bringen, was vor vielen Jahren hätte beendet werden sollen.
Eine Stille legte sich über den Raum.
Alle wussten, von wem er sprach.
Doch das Schicksal, als wollte es sich über ihn lustig machen, griff früher ein, als er seinen ersten Schritt zur Rache tun konnte.
Am nächsten Tag, als er durch eine belebte Straße ging, stieß Халиль versehentlich Schulter an Schulter mit einem Mädchen. Sie fuhr herum, um sich zu beschweren, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken.
Sie sahen einander schweigend an.
Sie hatte sich verändert. Aus dem kleinen Mädchen mit Zöpfen war eine schöne junge Frau geworden, mit denselben gütigen Augen, die er aus seiner Kindheit kannte.
— …Халиль? — flüsterte sie kaum hörbar.
Er erkannte sie sofort.
Die Tochter jenes Mannes, der ihn seines Vaters beraubt hatte.
Und seine erste Freundin.